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ANTON JOSEPH DORSCH (1758-1819)Leben und Werk eines rheinischen Jakobiners Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Mainzer philosophischen Fakultät am Ende des 18. Jahrhundertsvon Helmut MathyEinleitungKapitel /; Jugend und StudiumDie Geschichte des Jakobinertums in Deutschland ist im letzten Jahrzehnt zu einem der bevorzugten Themen marxistisdier Gesdiichtssdireibung geworden. Die Literatur und Publizistik als Ausdrude des bürgerlich-demokratischen Republikanismus, die sich unter dem Einfluß der französischen Revolution gegen die feudale Rückständigkeit in Deutschland wendet, wird in den Arbeiten von Hedwig Voe^, Heinrich Sdieel und Claus Träger' um nur die wichtigsten zu nennen und in der immer unübersehbarer ansdiwellenden Forster-Literatur in Ost und West neu interpretiert^. Dabei spielt die Mainzer Republik von 1792/93 eine zentrale Rolle. Es sei aber schon hier gleidi vor der Überschätzung der Mainzer Revolution einerseits und der damit ofl Hand in Hand gehenden Herabsetzung der kur-fürstlidien Zeit andererseits gewarnt. Mit einigem Recht hat Ridiard Benz in seiner Einleitung einer Auswahl der Werke Heinses, des freigeistigen Vorlesers beim Mainzer Kurfürsten Erthal, die Frage aufgeworfen, ob nicht in dem Kreis von Mainz^ Aschaffenburg und Frankfurt wirklich eine höhere Kultur geherrscht hat, die uns nur deshalb verschollen ist, weil die Weimarer Klassik nur ihren eigenen Ruhm auf die Nachwelt brachte und schon damals als reine Literatur von den Kräften nicht mehr Notiz nahm, die an einem katholischen Hof wie Mainz oder in einer alten Patrizierstadt wie Frankfurt noch Kultur bedeuteten^. Und auch das Wort von Srbik sei allen Versuchen, in den Staaten der Germania Sacra schlechthin die Reaktion verkörpert zu sehen, entgegengehalten: Diese geistlichen Staaten mit ihrem milden, patriar-chalisÄen und friedlichen Regiment und ihren bedeutenden Leistungen für Kunst und Wissenschaft waren durchaus nicht so todesreif, wie sie die Beflissenheit der säkularisierenden weltlichen Staaten nachher darstellte*.Es ist jedenfalls ein fragwürdiges Unterfangen, die Licht- und Schattenseiten der Mainzer Republik isoliert zu betrachten; sie müssen vielmehr in den Zusammenhang der vorhergehenden rheinischen Aufklärungsbewegung eingereiht werden. Und da bietet sich als gute Ausgangsbasis für die neue Erörterung mancher Probleme zunächst die intensive Beschäftigung mit Biographien und literarischen Leistungen führender Vertreter des rheinischen Jakobinismus an, wozu im Folgenden ein Beitrag geleistet werden soll'.In Heppenheim, einer seit der Stiftsfehde von 1462 zwischen Kurpfalz und Kurmainz heiß umkämpften Stadt, die während des Dreißigjährigen Krieges und der französischen Reunionskriege am Ende des 17. Jahrhunderts in Sdiutt und Asche gesunken war, nachdem sie vorher in ihren Mauern Reformatoren, Gegenreformatoren, Kalvinisten und wieder Katholiken siegreich gesehen hatte in dieser im 18. Jahrhundert wieder zum Erzstift gehörenden Amtsstadt an der Bergstraße' ist Anton Joseph Dorsch am 13. Juni 1758 geboren. Er entstammt einer kurmainzisi^en Beamtenfamilie; sein Vater war Amtsschreiber des Oberamtes Starkenburg und siedelte um 1768, inzwischen zum Hofrat ernannt, nach Mainz über". Sein Nachfolger in Heppenheim^ Hedwig Vocgt, Die deutsdie jakobinische Literatur und Publizistik 1789-1800. Berlin 1955. - Heinrich Scheel, Die süddeutsdien Jakobiner. Berlin 1962. Derselbe, Jakobi-nisdie Flugschriften aus dem deutschen Süden am Ende des 18. Jahrhunderts. Berlin 1965. Zu diesem Werk vgl. die Besprechung von Eberhard Naujoks in: Vierteljahrssdirift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Bd. 53, 1966, S. 409411, wo betont wird: Solange kaum Namen deutscher Jakobiner ösüidy des Rheins und keine Aktionen einwandfrei 'jakobinischer Provenienz in dieser Quellensammlung ersdieinen, haben wir keine Ursache, von der grundsätzlichen Auffassung der deutschen Geschichtsschreibung und von den Urteilen der französischen bzw. engiisáien Historiker wie Droz oder Goodj zu dieser Frage abzugehen. Kriegsnöte waren noch keine Klassengegensätze und -kämpfe, wenn auch die feudalen Lasten und ihre Unge-rechtigkeit angesichts der Vorgänge in Frankreich noch schärfer kritisiert wurden . Claus Träger, Mainz zwischen Rot und Schwarz. Die Mainzer Revolution 1792/93 in Schriften, Reden und Briefen. Berlin 1963. Dazu die Besprechung von Helmut Mathy: Gesdi. Landeskunde II, 1965, S. 226-229.2Ich verweise nur auf das die literarisdien Leistungen Forsters ausgezeichnet darstellende und würdigende neuere Werk von Ludwig Uhlig, Georg Forster. Einheit und Mannigfaltigkeit in seiner geistigen Welt. Tübingen 1965. Daselbst S. 283325 eine kritische Bibliographie seiner Sdiriften und Publikationen und S. 327341 ein Verzeichnis der Sekundärliteratur.3Vom großen Leben. München 1943, S. 37 f. und 42 f.* Heinrich Ritter von Srbik, Deutsche Einheit. Mündien 1963, S. 128.^ Die Hauptgedanken dieser Abhandlung wurden am 13. Februar 1967 in einer Vortragsvcranstaltung des Mainzer Altertumsvereins wiedergegeben.' Ober die Geschichte von Heppenheim vgl. Ferdinand Koob in: Hdb. der hist. Stätten Deutschlands IV Hessen. 1960, S. 197-199 mit Lit.= Hansen I, S. 48 und Hainebadi S. 94 Anm. 1.