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DIE BAUKUNST DER FRÜHEN GOTIK IM MITTELRHEINGEBIET von Manfred Fath Vorwort Die vorliegende Untersuchung befaßt sich mit der mittelrheinischen Architektur in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Wahl und Abgrenzung des Themas bedürfen einiger klärender Vorbemerkungen und Hinweise. , , Die kunstgesdiichtliche Forschung hat sidi bisher lediglich auf die Behandlung einiger mehr oder weniger zufällig ausgewählter Bauwerke dieses Raumes beschränkt. Die Inventarisierung ist lüdtenhaft. Von einigen Kirchen sind weder Grundrisse nodi Abbildungen bekannt. Bei der Beschäftigung mit der mittelrheinischen Frühgotik betritt man also weitgehend Neuland, während für die Spätgotik die Untersuchung von F. W. Fischer, Die spätgotische Kirchenbaukunst am Mittelrhein, 1400-1520, Heidelberg 1960, vorliegt. Dieser Abhandlung, die es erstmals unternimmt, eine Epodie der mittelrheinisdien Architektur im Zusammenhang darzustellen, verdankt die vorliegende Arbeit vielfadie Anregungen. Im folgenden wurde zum ersten Mal der Versuch gemadit, eine zusammenfassende Darstellung der frühgotisdien Architektur vorzulegen. Dabei erwies sidi eine Besdiränkung auf charakteristische Bauten als notwendig. Bei der Auswahl waren versdiiedene Gesichtspunkte maßgebend. Vor allem sollten die verwirrende Vielfalt der auftretenden Formen und die Wirkung bestimmter Vorbilder mit den daraus resultierenden Sthulzusammenhängen deutlich gemadit werden. Dazu war es zunächst notwendig, die Baugeschichte der ausgewählten Denkmäler möglichst genau zu klären und die versdiie-denen Einflüsse, die für ihre Gestaltung bestimmend wurden, genau zu scheiden. Daraus ergab sich, daß eine entwidilungsgesdiiditlidie Anordnung der Denkmäler ebensowenig vorgenommen werden konnte wie eine streng dironologische. Sie werden deshalb im folgenden lodcer nadi Sdiulzusammenhängen gruppiert. _ Nadi einem einleitenden Kapitel folgen die Monographien der ausgewählten Bauwerke. In einem zusammenfassenden Schlußkapitel werden der Wandel der Kunstformen und die Verbindung des Mittelrheines mit anderen Kunstlandsdiaften behandelt. Diese Arbelt lag der Philosophisdien Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz als Dissertation vor, von der sie im Wintersemester 1966/67 auch angenommen wurde. Prof. Dr. W. Paatz übernahm bereitwillig das Korreferat. Die Anregung dazu verdanke ich meinem verehrten Lehrer, Prof. Dr. Fritz Arens. Durch viele Hinweise und Ratschläge förderte er ihren Fortgang in selbstloser Weise. Ein unschätzbarer Gewinn waren mir die gemeinsamen Besuche der einzelnen Bauwerke und die damit verbundenen klärenden Ge-sprädie. Eine große Hilfe bedeutete mir auch die Erlaubnis, seine umfangreiche Bibliothek und Photosammlung benutzen zu dürfen. Dafür sei ihm an dieser Stelle besonders gedankt. Prof. Dr. R. Hamann-MacLean, Mainz, gewährte mir Einbilde in das Manuskript seines inzwisdien erschienenen Aufsatzes über die Burgkapelle Iben. Pfarrer E. Renk, Offen-badi am Glan, unterstützte meine Untersudiungen an der dortigen Kirdie in jeder Weise. Ihnen und all denen, die das Entstehen der Arbeit durdi Rat und ihre Hilfe förderten, sei hiermit mein Dank ausgesprochen. Auf den hier abgedruckten ersten Teil soll im nächsten Jahrgang der Mainzer Zeitschrift die zweite Hälfte der Dissertation folgen. A. Einleitung I. Forschungsstand Die deutsche Architektur der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts bietet ein reiches und vielschichtiges Bild, in dem sich landschaftlich gebundene Bautraditionen mit aus dem Westen einströmenden gotischen Formen mischen. Dadurch lassen sich die Denkmäler nicht eindeutig unter einen Stilbegriff einordnen. So gibt es in der Kunstwissenschaft auch keinen einheitlichen und allseits anerkannten Terminus für diese Epoche. Man ging von dem Gedanken aus, daß ein Stil analog dem organischen Wachstum in den Stufen der Entfaltung, der Vollendung und des Verfalls ablaufen müsse. Dies trifft bei der deutschen Gotik, bei der es sich um einen abgeleiteten Stil handelt, jedoch nicht zu. Hier werden gotische Formen erst zu einem Zeitpunkt faßbar, als sie in Frankreidi bereits ihre reichste Ausformung erfahren hatten, und so beinhaltet die Bezeichnung Frühgotik für die deutsche Kunst etwas anderes als für die französische. Da sich die Übernahme gotischer Formen anfänglich nur auf Einzelheiten beschränkte, ist der Begriff ohnehin nur unter Vorbehalten für die Gesamterscheinung der Bauwerke anwendbar, die nodi weitgehend romanischen Traditionen und Stilprinzipien verhaftet bleiben. Der Terminus Spätromanik hat ebenfalls seine Berechtigung. Viele Bau-werke wie z. B. der Westchor des Mainzer Domes oder die Ostteile der Marienkirche in Gelnhausen zeigen in ihren reichen Formen deutliche Merkmale eines Spätstiles. Nicht erfaßt werden mit diesem Begriff jedoch die neu eindringenden gotischen Formen, die an diesen Bauten ebenfalls auftreten. Daneben findet sich in der Literatur auch der Begriff Übergangsstil. Da es sich in dieser Zeit aber nicht um einen Übergang von älteren zu moderneren Formen handelt, sondern um eine Synthese zweier verschiedener Gestaltungsprinzipien, befriedigt auch dieser Terminus nidit. Er hat nur dann seine Berechtigung, wenn man darunter das Nebeneinander romanischer und gotischer Formen an einem Bau begreift'. Von W. Finder wurde der aus den politischen Verhältnissen abgeleitete Begriff