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DAS WERK DES MAINZER HOFSCHREINERS FRANZ ANTON HERRMANN (1711-1770)von Peter Alfred WolfI. Einleitung1. ForschungsstandDie Bedeutung des Mainzer Hofschreiners Franz Anton Herrmann ist des öfteren hervorgehoben worden, seine Arbeiten sind aber bisher noch nicht in ihrer Gesamtheit untersucht. Die Zerstreuung und Vernichtung der Mainzer Archivalien erschwert eine solche Aufgabe. Bekannt ist er vor allem als Meister des Chorgestühls im Dom zu Mainz. Die früheste Zusammenfassung über Herrmann gibt Hans Vogts 1910 (Mz. Beitrr. I, S. 50). Heinridi Schrohe veröffentlicht 1912 die Entstehungsgeschichte des Mainzer Domchorgestühls nach den Domka-pitelsprotokollen im Würzburger Staatsarchiv und führt Kupferstiche nach Vorlagen Herrmanns auf (Mz. Beitrr. II, S. 14-32, 168-171). Der Forschungsstand von 1923 ist in Thieme-Beciers Künstlerlexikon wiedergegeben (XVI, S. 494 f.). Die wichtigsten neueren Publikationen stammen von Adolf Gessner 1950 (Das Gestühl im Westchor des Mainzer Domes, I. Erg. Bd. zum Jb. für das Bistum Mz.) und von Fritz Arens 1955 (Mz. Beitrr. XIV, besonders S. 49).Die vorliegende Arbeit soll die Kenntnis der Werke des Hofsdireiners bereichern durch Zusammenfassung der bisherigen Literatur, durch stilkritisch begründete Zuschreibungen und neu aufgefundene, ar-chivalisch belegte Arbeiten.Die folgende Werkmonographie ergab sich aus einer Studie über die Kapitellformen des 18. Jahrhunderts im Mainzer und Würzburger Raum. Dabei zeigte sich eine Mainzer Sonderentwicklung: das Rocaillekapitell und spezielle Gesimsbildungen. Der Hofschreiner ist durch seine Zeichnungen und ausgeführte Werke als Hauptmeister dieses Beitrags zum Deutschen Rokoko anzusehen'. Die Kapitelle erwiesen sich in ihrer persönlichen Ausprägung als Meisterindiz und gaben so den Anstoß zu Entdek-kungen von Werken, die dann auch archivalisch für Herrmann gesichert oder ihm begründet zugeschrieben werden konnten. Ähnlich verhält es sich mit Sonderformen der Gesimse, wobei kombiniertes S-förmiges Schweifen sowohl in der Horizontalen als auch in der Vertikalen für Arbeiten des Hofschreiners oder seinen Einfluß bezeichnend ist. Ich schicke deshalb die Beobachtungen an Kapitellen und Ge-sitnsen in zwei kurzen Kapiteln der Werkmonographie voraus.2. BiographischesFranz Anton Hertmann^ wurde am 27. März 1711 ^s Sohn des bürgerlichen Tischlers Johann Heinridi Hörmann in der St. Michaelspfarrei in Wien ge-taufb'. Als Meistersohn trat er zu Weihnachten 1724 in der Werkstatt des Vaters die Lehrzeit an und wurde am gleichen Tage des Jahres 1727 als Geselle lediggesprochen'. Für die folgenden Wanderjahre und seine weitere Ausbildung fehlt vorläufig ein Beleg. Seit 1733 ist Herrmann in Mainz nachweisbar. Am 21. Juli 1735 erfolgte die Eintragung als Kandidat für das Meisterstück (vgl. S. 6), am 3. Juni 1736 die Aufnahme in die Mainzer Schreinerzunft". Zwischen 1736 und 1738 wurde ihm die Hofschreinerstelle übertragen neben seinem Schwiegervater Heinrich Ludwig Rohde, dessen Tochter Maria Helene er um 1733 geheiratet hatte'. Herrmanns Tätigkeit war vielseitig. Bereits während seiner Gesellenzeit unterrichtete er Zeichenschüler (vgl. S. 10). Er fertigte Vorlagen für Kupferstiche an und ist als Architekt nachzuweisen". Die Hofschreinerei baute er zu einem großen Werkstattbetrieb aus, so daß er 1752 mit fast einem Drittel aller in Mainz beschäftigten Gesellen eine monopolartige Stellung unter den Schreinern einnahm". Das Großunternehmen gibt Aufschluß darüber, wieviel an Einrichtungen in Mainzer Kirchen, herrschaft-Die vorliegende Arbeit wurde von der Philosophisdien Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität im Wintersemester 1968/69 als Dissertation angenommen. Meinem Lehrer Prof. Dr. Fritz Arens verdanke idi viele Hinweise und Ratsdiläge.' Eine masdi.sdir. Fassung der Kapitellstudien befindet sidi im Kunstgesdl. Institut der Univ. Mz.: P. Wolf, Studien zu Kapitellen der Rokokozeit im Mainzer und Würzburger Raum, Mz. 1964. Ein Auszug in veränderter Form wurde veröffentlidit: Zum korinthisierenden Kapitell in der Blütezeit des Mainzer Rokoko: Forsdiungen zur Kunstgesdl. und Christlidien Ardiäologie VI, Mz. und der Mittelrhein in der Europ. Kunstgesdl., Mz. 1966, S. 667 f. (zit. als Rokokokapitelle).^ Die Namenssdireibung varüert. Da der Meister selbst meistens mit Herrmann unterzeidinet, soll diese Sdireib-weise als authentisdi gelten; alle übrigen sind Zitate.3 Taufprotokolle der St. Midiaelspfarre Wien 1702-12, S. 561. Landesinnung Wien der Tisdiler, Aufdingbudi 16761740. Zu Angaben über die Familie vgl. Mz. Beitrr. XIV, S. 49, 50.E. Zais, Zur Mainzisdien Kultur-, Kunst- und Handwerker-gesdi.: Zts. des Vereins zur Erforsdiung der Rheinisdien Gesdl. und Alterthümer in Mz., 3, Mz. 1887, S. 387." Zunftbudi der Balbierer, Sdireiner, Dreher und Baeder, Stadtardiiv Mz. 21/291. Text wörtl.: Mz. Beitrr. II, S. 224. Zu korrigieren ist das falsdie Datum (15. 6. 1735) in Mz. Beitrr. I, S. 50 und in Mz. Beitrr. XIV, S. 49.' Die Heirat ist in Mainzer Kirdienbüdiern nidit nachzuweisen. Am 1. Juli 1734 wurde Herrmanns Sohn Heinridi Ludwig getaufl (Kirdienbudi St. Peter, Stadtarchiv Mz. 20/35). Vgl. Mz. Beitrr. XIV, S. 30, 31. Nadi H. Vogts, Mz. Beitrr. I, S. 50, war er audi Büdi-senmadier. 1752 gab es in Mainz 44 Meister und 92 Gesellen; Herrmann beschäftigte davon 27 Gesellen. Nadi ihm hatte der Domschreiner Kilian Bender mit 5 Gesellen den nädist-größten Betrieb (Mz. Polizeiakt, 698 II, p. 97185, Bayer. Staatsardiiv Würzburg). Vgl. die Angaben für das Jahr 1767 in Mz. Beitrr. II, S. 168, 169: bei 49 Meistern arbeiteten 84 Gesellen, davon bei Herrmann 15.