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Dr. Friedrich Slezak - Mainzer Zeitschrift 66. 1971 [antikvár]
 
zu VIER MITTELRHEINISCHEN GLASFENSTERN DES 12. JAHRHUNDERTSvon Rita OttoZwei mittelrheinische Glasbilder des IZ Jahrhunderts mit neutestamentarischen Szenen sind im Besitz des Landesmuseums Wiesbaden'. Jungjohann= hat erkannt, daß diese Fenster in engen stilistischen Zusammenhang gehören mit zwei RundsAeiben im Kunstgewerbemuseum In Berlin', die leider 1945 zerstört wurden. Zwei der Glasgemälde, eines m Berlin und eines In Wiesbaden, sind offensichtlich von derselben Hand ausgeführt. Die Qualität der sog. Ingelheimer Scheiben In Berlin...
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zu VIER MITTELRHEINISCHEN GLASFENSTERN DES 12. JAHRHUNDERTSvon Rita OttoZwei mittelrheinische Glasbilder des IZ Jahrhunderts mit neutestamentarischen Szenen sind im Besitz des Landesmuseums Wiesbaden'. Jungjohann= hat erkannt, daß diese Fenster in engen stilistischen Zusammenhang gehören mit zwei RundsAeiben im Kunstgewerbemuseum In Berlin', die leider 1945 zerstört wurden. Zwei der Glasgemälde, eines m Berlin und eines In Wiesbaden, sind offensichtlich von derselben Hand ausgeführt. Die Qualität der sog. Ingelheimer Scheiben In Berlin hat Fischer im Handbuch 1914' so hoch bewertet, daß er einen Import aus Frankreich erwog. Diese künstlerische Qualität Ist die Veranlassung, etwas genauer nach Gehalt, Stil und Ikonographie zu fragen. Die Herkunft der Glasbilder ist ungesichert. Wir wissen nicht, ob sie nur derselben Werkstatt, oder auch derselben Kirche angehören. Es liegt nahe zu vermuten, daß die Scheiben infolge der Säkularisation in weltliche Hände gelangten. Da Wiesbaden als Regierungssitz Auffangstätte für Werke aus säkularisierten Klöstern des Rheingaus ist, könnte ein solches in Frage kommen. Die Wiesbadener Scheiben sind mit dem Namen Tiefenthal versehen, aber mit Fragezeichen. Denn es ist bisher kein Er-werbungsberldit aufgefunden worden. Auch die im Staatsarchiv Wiesbaden liegenden Akten des Museums geben dazu keinen Hinweis; eine kurze Bestandsaufnahme von Sammlungsgegenständen von 1824 führt keine Glasbilder an. Ein Inventar im Museum von 1853 erwähnt die beiden Fenster, jedoch ohne Ortsangabe. Erst 1888 taucht Im ersten Museumsführer der Name Tiefenthal auf und zwar in Verbindung mit zwei spätgotischen Scheiben aus Tiefenthal. Befragt man die Geschichte ?es Nonnenklosters Tefenthal Im Taunus^ so sind sowohl die Grünciungszeit, vor 1163, wie die Kulturstätte eines Benediktinerinnenordens mögliche Grundlagen für die Fenster. Aber wir erfahren auch, daß die romanische Kirdie 1572 abbrannte. Dieser Brand, der die DeAe zerstörte, wie ausgesagt wird, stellt die Erhaltung von Fenstern in Frage. Die erwähnten spätgotisdien Scheiben stammen wohl aus der nach dem Brand errichteten neuen Kirche neben dem alten Bau mit schönen spitzgiebeligen Fenstern. Das Kloster wurde 1803 aufgehoben, die Gebäude 1842 abgebrochen.Jungjohann vertritt die Annahme, daß alle vier Fenster aus der Pfalzkapelle in Ingelheim stammen. Diese Meinung gründet auf der Monographie des Kunstsammlers Wilhelm Sattler über Schloß Mainberg', das dieser 1822 erworben hatte und von woher sie 1901 durch eine Versteigerung In das Berliner Museum kamen. Sattler erwähnt, daß zwei Fenster hinter dem Altar der Kapelle, die 1826 eingerichtet wurde, aus einem Zimmer des Schlosses, der Saal von Ingelheim genannt, übernommen wur-dp. Die Namensgebung des Zimmers zwingt aber nicht zur Annahme, daß die Fenster aus Ingelheimsind. (Die historisierenden Restaurierungen der Scheibe mit der Tempelreinigung dürflen von Sattler veranlaßt worden sein.) Auch baugeschichtlich ist die Vermutung Jungjohanns nicht vertretbar. Die Kapelle, die Barbarossa 1160 wiederherstellen ließ, war sicher mit farbigen Fenstern geziert. Doch diese Kirche zerfiel gegen Ende des 16. Jahrhunderts weitgehend und stand über 100 Jahre als Ruine da, bis auf Chor und Querschiff abgebrochen. Wenn man nicht einen Ausweg annimmt', ist es unwahrscheinlich, In Ingelheim den Herkunftsort der Fenster zu sehen. Das Datum von 1826 für die Einsetzung der Rundscheiben in die Kapelle von Mainberg ergibt für die Wiesbadener Fenster den Hinweis, daß sie früher Museumsbesitz sind. Falls sie aus Tiefenthal kommen, müßten sie dort schon zwanzig Jahre vor Abbruch der Gebäude entfernt worden sein. Solange kein archivalischer Fund Klärung bringt, muß die Herkunflsfrage offen bleiben. Jede Erwägung eines anderen Ortes, etwa Kloster Eibingen im Rheingau, das erst 1932 durch Brand zerstört wurde und In dem verhältnismäßig viel Klosterbesitz aus der Gründungszeit überkam (der Uber scivias gelangte von dort nach Wiesbaden) ist Hypothese. In den Eibinger Versteigerungsakten von 1814 im Staatsarchiv in Wiesbaden werden keine Kirchenfenster angeführt. Allerdings erwähnen diese Verzeichnisse auch nicht die Hildegardhandschriflen oder das gestickte Altarantependium, das von Kloster Rupertsberg nach Eibingen kam und jetzt in Brüssel bewahrt wird.Die Untersuchung ist also allein auf die künstlerische Aussage der Glasgemälde angewiesen. Durch den Verlust der Berliner Scheiben, deren AussehenTaf.l' A. Heubach, Mittelalterliche Glasgemälde aus Nassau, Nas-sauisdie Heimatblätter 20, 1916/17, S. 29 f.2 A. Jungjohann, Zwei mittelrheinisdie Glaspmälde der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts im 'Wiesbadener Landesmuseum: Nass. Heimatblätter 35, 1934, S. 25 ff. Eine Identifizierung der Sdieiben mit Bruchstüdcen aus Breithardt, die 1835 ins Museum kamen, weist Jungjohann ab: Die Habelsdien Skizzen nach den Breithardter Fenstern zeigen sedis sdilecJit erhaltene spätgotische Scheiben, unter deren Themen keine Lazarusszene noch Gefangennahme vorkommt. In dem Erwerbungsbericht in Ann. f. Nass. Altertumskunde 2, 1837, S. 323 heißt es: es war nicht möglich, die Breithardter gemalten Glasfenster, die gar sehr beschädigt waren, zu restaurieren. Ferner A. Jungjohann, Glasmalereien aus der Ingelheimer Pfalz Barbarossas: Zts. des dt. Vereins für Kunstwiss. 2, 1935, S. 253 f.* H. Schmitz, Die Glasgemälde des Kunstgewerbemuseums in Berlin. Berlin 1913, S. 5.' J. L. Fisther, Handbuch der Glasmalerei, Leipzig 1914, S. 66. C. Dahl, Kurze Geschichte des vormaligen Klosters Tiefenthal im Rheingau: Ann. des Ver. f. Nass. Altertumskunde, Wiesbaden 1842, S. 72. - Kdm. Hessen, Rheingaukreis, Mündien 1965, S. 309.' Vilhelm Sattler, Das alte Schloß Mainberg bei Sdiweinfurt und seine Bewohner. Neue Ausgabe 1854, S. 46.' E. Emmerling, Die Geschichte der Saalkirche. In: Die Saalkirche in Ingelheim, o. J. (1965) S. 7.

Termékadatok

Cím: Mainzer Zeitschrift 66. 1971 [antikvár]
Szerző: Dr. Friedrich Slezak , Dr. Rita Otto Josef Hinzelmann
Kiadó: Verlag des Mainzer Altertumsvereins
Kötés: Varrott papírkötés
Méret: 210 mm x 300 mm
Dr. Friedrich Slezak művei
Dr. Rita Otto művei
Josef Hinzelmann művei
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