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München - ein Bilderbogen
Am 14. Juni 1958 feierte München offiziell sein
Soojähriges Bestehen. Warum gerade an diesem
Datum? Was war damals, im Jahre 1158, ge-
schehen?
»Gegeben zu Augsburg, am 14. Juni im 1158. Jahr
nach Christi Geburt, in der 6. Indiktion, unter
der Regierung Friedrichs, des erhabenen Kaisers
der Römer, im 7. Jahr seiner Herrschaft als Kö-
nig, im 3. als Kaiser «, so heißt es in der Urkun-
de, die als Augsburger Schied in die Geschichte
einging und in der zum erstenmal in lateinischer
Sprache der Begriff apud Munichen, bei den
Mönchen, auftaucht.
Vorangegangen war ein Streit zwischen Hein-
rich dem Löwen (1129-1195), Herzog von
Sachsen und Bayern, und Bischof Otto von Frei-
sing (1111/1114-1158) um die Zollstelle Föh-
ring im Norden von München. Hier überquerten
die Salztransporte aus Salzburg und Reichenhall
die Brücke über die Isar, was nur bei Bezahlung
von beträchtlichem Wegzoll gestattet war und
dem Bischof ein stolzes Einkommen garantierte.
Derartige Geldquellen weckten natürlich auch
schon seinerzeit die Begehrlichkeiten anderer,
und so zerstörte Heinrich der Löwe die Brücke
und Zollstelle Föhring im Jahr 1157 und leitete
damit die Transporte zwangsweise über eine
Isarbrücke südlich vom Gasteig um, die nicht
mehr auf dem Herrschaftsgebiet des Freisinger
Bischofs lag.
Der Bischof beschwerte sich über das gewalttä-
tige Vorgehen des Herzogs bei Kaiser Friedrich I.
Barbarossa, der den Zwist mit dem Augsburger
Schiedsspruch beendete. Es war ein Kompromiß,
der die Zoll- und Münzrechte zwar dem Herzog
beließ, ihn jedoch verpflichtete, ein Drittel aller
Einnahmen nach Freising abzuführen.
Wo heute München liegt, siedelten schon vor
der Jahrtausendwende Mönche, die wahrschein-
lich vom 746 gegründeten Kloster Tegernsee
hierher gezogen waren. Daraus erklärt sich nicht
nur die Namensgebung des Ortes, auch das
Münchner Stadtwappen wird von der Darstellung
eines Mönchs geziert.
An der Stelle des heutigen Marienplatzes bildete
sich zunächst ein rund 70 Hektar großer Markt-
flecken, den Herzog Heinrich 1160 durch eine
erste Ringmauer befestigen ließ. Heinrich konnte
sich an den stattlichen Zolleinnahmen nicht
allzu lange erfreuen. 1180 überwarf er sich mit
Kaiser Friedrich Barbarossa, der ihn nach Eng-
land verbannte. Nun schlug die Stunde der Wit-
telsbacher, eines bis dahin eher unbedeutenden
Adelsgeschlechts, dessen Stammburg bei Unter-
wittelsbach in der Nähe von Aichach stand. Die
Wittelsbacher sollten von nun an eine überra-
gende Rolle in der Geschichte Münchens und
Bayerns spielen.
Zunächst war es der Pfalzgraf Otto von Wittels-
bach (1117-1183), den Friedrich Barbarossa am
16. September 1180 mit dem Herzogtum Bayern
belehnte. Der Kaiser achtete jedoch darauf, daß
die Herrschaftsgebiete in zahlreiche kleinere
Herzogtümer aufgeteilt waren, damit keiner der
Fürsten zu mächtig werden konnte. Das zu je-
ner Zeit in Bayern einflußreiche Geschlecht der
Grafen von Andechs stand der Machtentfaltung
der Wittelsbacher zunächst noch im Wege. Als
aber 1208 Pfalzgraf Otto VIII., ein Vetter des in-
zwischen regierenden Wittelsbacher Herzogs
Ludwig I., in Bamberg den Stauferkönig Philipp
von Schwaben ermordet und die beiden Andech-
ser Grafen und Bischöfe Ekbert und Heinrich
von Istrien der Komplizenschaft an dieser ruch-
losen Tat bezichtigt und mit Reichsacht belegt
werden, ist der Niedergang der Andechser besie-
gelt. Die Wittelsbacher werden nun unaufhalt-
sam zum mächtigsten Geschlecht in Bayern, das
sie bis 1918 ununterbrochen regieren sollten.
Im Frühjahr 1255 teilen die beiden Söhne von
Herzog Otto II., Heinrich und Ludwig, das Her-
zogtum auf in das »Obere Bayern« und in das
»Niederland«. Ludwig II. regiert in Oberbayern,
macht München zu seiner Hauptstadt und er-
baut am »Alten Hof« die erste Residenz. Die Ein-
wohnerzahl Münchens steigt stark an. Zwar ist
von 1214 eine Urkunde überliefert, in der Mün-
chen zum erstenmal als Civitas (Stadt) bezeich-
net wird, offizielles Stadtrecht aber erhält es erst
1294. Herzog Rudolf I. (1274-1319), verfugt in
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