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München leuchtet [antikvár]

Klaus Brantl

 
MÜNCHEN LEUCHTET DEN FREUNDEN MÜNCHENS lautet die Inschrift einer Medaille, mit der die bayerische Landeshauptstadt seit geraumer Zeit Persönlichkeiten auszeich-net, die sich um München verdient gemacht habén. Auf die Formulierung München leuchtet kamen die Stadtváter nicht von ungefáhr. Thomas Mann, der eine Halfte seiner Lebenszeit, von 1894 bis 1933, hier verbracht hat, schildert in seiner Novelle Gladius Dei, wie sich einst, an einem schönen Junitag zur Prinzregentenzeit, über den festlichen Piátzen und weifien Sáulentem-peln,...
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MÜNCHEN LEUCHTET DEN FREUNDEN MÜNCHENS lautet die Inschrift einer Medaille, mit der die bayerische Landeshauptstadt seit geraumer Zeit Persönlichkeiten auszeich-net, die sich um München verdient gemacht habén. Auf die Formulierung München leuchtet kamen die Stadtváter nicht von ungefáhr. Thomas Mann, der eine Halfte seiner Lebenszeit, von 1894 bis 1933, hier verbracht hat, schildert in seiner Novelle Gladius Dei, wie sich einst, an einem schönen Junitag zur Prinzregentenzeit, über den festlichen Piátzen und weifien Sáulentem-peln, den antikisierenden Monumenten und Barockkirchen, den springenden Brunnen, Palástén und Gartenanlagen der Residenz strahlend ein Himmel von blauer Seide spannte. Diesem anschaulich ausmalenden Satz, der in einem einzigen Atemzug viel bezeichnend Münchnerisches anspricht, ist als einprágsamer Auftakt der Novelle vorangestellt: München leuchtete. Die Aussage steht in der Vergangenheitsform, und so auch hat der Erzáhler sie gemeint, bezogen auf die Zeit zwischen Jahrhundertwende und Erstem Weltkrieg, als es noch, wie er hinzufügt, Lássigkeit und hastloses Schlendem in all den langen Strafienzügen des Nordens gab und noch allgemein festzustellen war: Man ist von Erwerbsgier nicht gerade gehetzt und verzehrt dortselbst, sondern lebt angenehmen Zwecken.lm Titel dieses Buches, das insbesondere denen zugedacht ist, die als Gáste der Stadt ebenfalls angenehmen Zwecken nachgehen, ist - wie auch in der Inschrift der stádtischen Medaille - die Gegenwartsform gewáhlt: München leuchtet. Die Absicht dieses Einführungstextes ist es, aufzuzeigen, wie es zu solchem Leuchten gekommen ist und wie weit das, was einmal zu Anfang dieses Jahrhunderts als Aussage gegolten hat, noch für sein letztes Viertel verbindlich ist. Sprechen wir zunáchst von dem Zeitpunkt, an dem das, was wir heute unter München verstehen, ins Licht der Geschichte tritt.Kernstück war der einstige Schrannenplatz, der seit 1638 die Mariensáule trágt und seit 1854 Marienplatz heifít. Hier lag der wahre Mittelpunkt der Stadt, auf den auch heute noch alle Kilometerangaben auf den Wegweisern im Lande bezogen sind. Und hier auch hat, soviel man weifi, die Geschichte unserer Stadt angefangen. Damals, als sich die Isar noch ungezügelt in ihrem Bett wálzte, war man vor ihren Wasserfluten auf die Dauer nur sicher auf der kleinen Erhebung, die als Petersbergl bezeichnet wird. Dort hatten sich neben Handwerkern und Fischern auch Mönche niedergelassen, die vermutlich vom Kloster Tegernsee hergekommen waren. Sie betreu-ten seelsorgerisch die wenigen Bauernhöfe ringsum, draufien in Sendling, Schwabing oder Giesing - in Dörfern, die seit dem achten Jahrhundert beurkundet sind. Um das Jahr 1035 bauten sie sogar eine Brücke über die Isar. Genaugenommen waren es zwei, eine vom diesseitigen Ufer bis zur Kohleninsel, auf der heute das Deutsche Museum steht, und eine zweite von der Kohleninsel nach drüben - weshalb die StralSe noch heute Zweibrückenstraí$e heilk.Und auf dem Petersbergl bauten die Mönche ihre erste Kapelle, an deren Stelle viel spáter die alte Peterskirche trat. Nicht die, die heute noch steht und die in dem bekannten Münchner Liedchen Solang der Alte Peter besungen wird, sondern eine viel frühere, deren Grundmauern eines Tages bei Strafienarbeiten unter dem jetzigen Bau entdeckt wurden. Die Handwerker und Bauern aber, die draufien im Land ihre Hütten und Höfe hatten, sagten, wenn sie ins uralte Herzstück der

Termékadatok

Cím: München leuchtet [antikvár]
Szerző: Klaus Brantl
Kiadó: Verlag F. Bruckmann KG.
Kötés: Ragasztott kemény papírkötés
ISBN: 3765417858
Méret: 210 mm x 270 mm
Klaus Brantl művei
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