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München/Munich/Monaco/Munich/Munich [antikvár]

Klaus Brantl

 
iVLan hat oft schon versucht, den Genius loci dieser Stadt in Schlagworten einzufangen: München als Kunst-, Fremden- oder Bierstadt zu charakterisieren, als Isar-Athen, Millionendorf oder als Weltstadt mit Herz, in neuester Zeit auch als Deutschlands heimliche Hauptstadt. Schon um 1600, in der Zeit der Gegenreformation, hatte es den Titel Deutsches Rom erhalten. Heinrich Heine, 1829 als Mitarbeiter des großen Verlegers Cotta und in Erwartung einer Professur in München, nannte diese Stadt damals eine Kleingeisterei von der großartigsten Art...
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iVLan hat oft schon versucht, den Genius loci dieser Stadt in Schlagworten einzufangen: München als Kunst-, Fremden- oder Bierstadt zu charakterisieren, als Isar-Athen, Millionendorf oder als Weltstadt mit Herz, in neuester Zeit auch als Deutschlands heimliche Hauptstadt. Schon um 1600, in der Zeit der Gegenreformation, hatte es den Titel Deutsches Rom erhalten. Heinrich Heine, 1829 als Mitarbeiter des großen Verlegers Cotta und in Erwartung einer Professur in München, nannte diese Stadt damals eine Kleingeisterei von der großartigsten Art und ein Dorf, in dem Paläste stehn. Eine kurze, aber folgenreiche Episode war, als man versuchte, aus dem sonst als sehr behäbig geltenden München eine Hauptstadt der Bewegung zu machen, wie es sich von 193 5 bis 1945 offiziell nennen mußte. - August Bebel, Mitbegründer und jahrzehntelang Führer der deutschen Sozialdemokraten, bezeichnete München dagegen 1903 auf dem Parteitag zu Dresden als Capua der deutschen Politiker, genauer der Sozialdemokraten, mit dem Nachsatz, in München wandle keiner auf die Dauer ungestraft unter Maßkrügen, was auf die undogmatische Haltung der königlich-bayerischen Sozialdemokraten unter ihrem Führer Georg von Vollmar gemünzt war. Der große Romanist Karl Vossler fand auf dem Festkommers der Universität 1926 anläßlich ihres hundertjährigen Bestehens in München eine geistreiche Formulierung für das Wesen dieser Stadt: Die Wissenschaft, sagte Vossler, hat zwei Gesichter, ein uraltes mit todbringendem Medusenblick und ein junges voll Leben. Hier in München hat der Jugendblick den Vorrang vor der Meduse, man wird hier leichter zur Anschauung erzogen als zum Begriff. Das intuitive Moment des wissenschaftlichen Gedankens hat hierzulande günstigere Bedingungen als das abstrahierende, weil München die Stadt der Künste ist. Wenn Apoll und die Musen nach Deutschland kommen, so ist ihnen bekanntlich nirgends wohler als hier. Für Wilhelm Hausenstein, der wie kein zweiter kenntnisreich und liebevoll der Stadt ins Innere sah, kennzeichneten Münchens Stadtpersönlichkeit der heitere Glanz der Kunst seit Jahrhunderten auf ihrem Antlitz, der dem Natürlichen und Lebendigen mehr als dem Abstrakten hingegebene Sinn, ihre christliche Kultur, ihre Liberalität, das Leben-und-Leben-Lassen trotz einer gewissen Abneigung gegen das störende Fremde, eine gewisse verträumte Verliebtheit in die Vergangenheit und in die guten alten Zeiten und in Verbindung damit eine gewisse Abneigung gegen alles Neue, das dann von der nächsten Generation als das gute Alte gepriesen wird. Man könnte noch viele solcher Blätter aufschlagen im Stammbuch dieser Stadt, wo sich allerdings auch manche geharnischte und giftig-ätzende Epistel findet, wie etwa Oskar Panizzas Abschied von München 1897, worin er den Münchnern zurief: Einer Salzstraße mit Brückenzoll über die Isar verdankt Ihr Eure Entstehung? Nun, attisches Salz habt Ihr damals gewiß nicht gehandelt. Und wenn man Euch betrachtet, muß man jenen recht geben, die sagen, es sei Viehsalz gewesen. Gottfried Keller, der Schweizer Dichter, der in seinem autobiographischen Roman Der grüne Heinrichwohl die schönste dichterische Verklärung Münchens gab, schrieb 1843 auch die bitterbösen Verse über diese Stadt: Ein liederliches, sittenloses Nest, voll Fanatismus, Grobheit, Kälbertreiber, voll Heiligenbilder, Knödel, Radiweiber. Doch alle diese Versuche, schlagwortartig und in Aphorismen in das Wesen Münchens einzudringen, bleiben einseitig. München ist, wie jede Persönlichkeit überhaupt, eine Erscheinung sehr komplexer, auch widersprüchlicher Natur, nur aus seinem historischen Werdegang zu erkennen. München ist vor allem das, was seine Geschichte ist, die hier in ganz knappen Zügen aufgezeigt werden soll. Dabei besteht heute nach einer Entwicklung und Wandlung ungeahnten Ausmaßes für München nicht mehr die Gefahr, daß es sein Konto aus der Geschichte überziehen könnte wie vor einem halben Jahrhundert noch, als ihm Christian Morgenstern ins Merkbuch schrieb: Du liebe Mutter- und Vaterstadt, dir will ich nichts Hartes sagen, doch trinke dich nicht allzu satt an alten glänzenden Tagen.

Termékadatok

Cím: München/Munich/Monaco/Munich/Munich [antikvár]
Szerző: Klaus Brantl
Kiadó: Bruckmann KG
Kötés: Vászon
ISBN: 3765413844
Méret: 270 mm x 330 mm
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