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Kunststadt München -Museumsstadt München
München ist eine Kunststadt. Dieser erläuterungsbedürftige Satz wurde ebensooft-herrisch manchmal, aber auch aus über-wältigter Überzeugung gesprochen - in die Welt gesetzt wie die vielfachen Varianten seines Gegenteils. Von der Vernichtung con amore, die München als Kunststadt in Lion Feuchtwangers Roman »Erfolg« erfuhr, bis hin zum ambivalenten, hierzulande besser als »hinterfotzig« bezeichneten Votum nördlicher Provenienz, München sei »heimliche Hauptstadt«, reicht der Spielraum der Urteile. Sie tun, im Sinne des Wortes, nichts zur Sache, wenn es, wie hier, um den möglichst präzisen und übersichtlich dargebotenen Faktenreichtum eines Handbuchs geht. Also, noch einmal: München ist eine Kunststadt. Diese Behauptung wird wahrer und kulturpolitisch leichter begründbar, wenn man präzisiert: München ist eine Museumsstadt. Denn einmal ist das größte Museum in der Kunststadt München kein Kunstmuseum - nämlich das Deutsche Museum. Und dann gibt es natürlich mitunter einen manchmal etwas heikel festzumachenden Unterschied zwischen einer Kunst- und einer Museumsstadt, welch letztere Definition in quantitativer und qualitativer Beziehung keinen Zweifel duldet.
Die Museumsstadt München also lebt auch am Ende des 20. Jahrhunderts noch immer vital aus der Epoche, der wir in vieler Beziehung wahlverwandter sind als unserer Gegenwart und unserer jüngsten Vergangenheit: aus dem 19.Jahrhundert. Gründung und Bestückung von Alter und Neuer Pinakothek, von Glyptothek, Antikensammlung und Nationalmuseum bilden heute noch das Zentrum der Münch; ner Museumslandschaft und sind in ihrem imperialen Ensemble, was Inhaltlichkeit und Erscheinung angeht, schwerlich zu überbieten; und alles, ohne eigentlich inkommensurabel, unüberschaubar, sozusagen unmenschlich zu sein. Das neue, das 20.Jahrhundert leitete im Jahre 1903 die nächste Großgründung ein: das Deutsche Museum in der Rechtsform einer An-
stalt des öffentlichen Rechts - gewiß ein Institut, auf dem sich ein gut Teil des allgemeinen Ansehens unserer Stadt gründet.
Das kann man nun freilich nicht sagen vom Haus der Kunst, zumindest nicht für den Zeitraum, da es sich von 1933 bis 1945 noch »Haus der Deutschen Kunst« nannte und sich auch mit ihm die denkbar größte Kunst- und Menschenverachtung unserer nationalen Geschichte verbindet. Längst »entnazifiziert«, wächst das Gebäude allmählich mit einer milden Decke schützenden Efeus zu und beherbergt so noble Institute wie die Staatssammlung moderner Kunst, große Wechselausstellungen, Kunstvereinigungen. Zwar zeichnet der Freistaat Bayern für einen Großteil der Museumsinstitute verantwortlich - nicht zu vergessen die Prähistorische Sammlung mit ihrer fabelhaften Architektur -, aber auch die Kommune hat Bedeutendes zu bieten. Was z.B. unter dem eher biederen Namen eines »Stadtmuseums« sich verbirgt, vereint-die Aufzählung ist keineswegs vollständig-weit-bedeutende Sammlungen auf dem Felde des Puppentheaters, der Musikinstrumente, der Volkskunst, des Films in sich und beansprucht, eine der erfolgreichsten Po-pularsammlungen der Republik zu sein. Ein anderes kommunales Institut, die Städtische Galerie im Lenbachhaus, bewahrt mit den wichtigsten Werken des »Blauen Reiters« einen besonders kostbaren Schlüssel zum Kunstverständnis unseres Jahrhunderts.
Angesichts der Fülle an Ortschaften und Inhalten fällt es schwer, sich aus der Aufzählung heraus und in eine kulturpolitische Gewichtung hineinzubegeben. Zum letzten Mal gefragt: Ist München eine Kunststadt? Am leichtesten fiele die rückhaltlose Beantwortung der Frage, wenn es darum ginge, den Kunstmarkt, also die private Galerienlandschaft zu beschreiben. Die ist lebendig und ehrgeizig; findet auch manche Entsprechung in städtischen Initiativen wie etwa der Künstlerwerkstätte in der Lothringer Straße in