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Wenn man sich Naumburg und dem mittleren Saaletal vom Leipziger Tiefland her náhert, erlebt man eine reizvolle Veránderung der Landschaft: sie wird lieblicher und südlicher und gewinnt, wenn man es auf diese Formel bringen darf, eine beschwingte Leichtigkeit. Man gerát unversehens in eine anmutige Welt der Obstgárten und Weinberge, die sich der Sonne entgegenwenden. Grüne Rebstöcke auf den Kalksteinhángen, kleine, schmalbrüstige Weinbergháuschen blicken herab und geben dem Lande jenes heitere Kolorit, das nach der Begegnung mit dem...
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Wenn man sich Naumburg und dem mittleren Saaletal vom Leipziger Tiefland her náhert, erlebt man eine reizvolle Veránderung der Landschaft: sie wird lieblicher und südlicher und gewinnt, wenn man es auf diese Formel bringen darf, eine beschwingte Leichtigkeit. Man gerát unversehens in eine anmutige Welt der Obstgárten und Weinberge, die sich der Sonne entgegenwenden. Grüne Rebstöcke auf den Kalksteinhángen, kleine, schmalbrüstige Weinbergháuschen blicken herab und geben dem Lande jenes heitere Kolorit, das nach der Begegnung mit dem Tiefland um so verlockender erscheint. Auf einer Terrasse, etwa fünfzig Meter über der Saale, ist Naumburg hingelagert wie auf einer erhabenen Bühne, und vom Ausblick am Georgentor wandert das Auge über die Talaue, durch die gelassen die Saale zieht. Aber weiter noch, umfassender, öffnet sich der Blick von den Höhenstraften oberhalb der Stadt, ein freundliches weitgespanntes Panorama: sanfte Hügel, durchsetzt mit kleinen Waldstücken, Wiesen, Gárten und fruchtbare Ácker. Drüben mündet das Unstruttal beim Blütengrund, und das Wasser der Unstrut vereinigt sich mit dem der Saale. Auf den Randhöhen im Dunste flirrenden Lichts helle Buchenwálder. Dort blühen im Frühjahr unter ihren silbergrauen Stámmen Veilchenteppiche, und bald spannt sich das zarte Netz der jungen Blátter über die liebliche Frühlingsszenerie. Und welche Farbensinfonie von flammender Leuchtkraft im Herbst. Untén die schöne, geschichtstráchtige Stadt Naumburg. 1978 war sie neunhundertfünfzig Jahre alt. Stolz und máchtig der viertürmige Dom. Seine grünen Patinahauben kontrástieren mit den rőten Ziegeldáchern der kleinen altén Hauser der Domfreiheit, die sich eng um ihn scharen. Anfang des 13. Jahrhunderts begann dieser eindrucksvolle Bau emporzuwachsen. Die geschichtliche Entwicklung von Naumburg aber reicht weiter zurück, ins Ende des 10. Jahrhunderts, jene Zeit, in der die feudale deutsche Ostexpansion immer weiter in die von Slawen besiedelten Gebiete vordrang. Es war Grenzland, die Saale zog hier zwischen slawischer und germanischer Bevölkerung eine Linie, an der es standig zu Zusammenstöfien kam. Wer heute durch diesen liebenswürdig-heiteren Teil des Saaletales oder der Unstrut wandert, der erkennt an vielen Zeichen, dafi er eine historische und kulturgeschichtliche Landschaft durchstreift. Eng drángen sich hier die ehemaligen Herrensitze zusammen: die Rudelsburg und Saaleck, Naumburg selbst, Freyburg mit seiner Neuenburg, die Schönburg und Schlofi Goseck. Alle die malerisch gelegenen Burgen und Ruinen, von Kugler, von Gellert, von Eichendorff, von Allmers und anderen íyrisch besungen, waren einst feudale Machtzentren. Seit die Sorben des Saalegebietes im 9. und 10. Jahrhundert immer mehr unter fránkischthüringische Herrschaft kamen, wurdeihnen von hier aus Tributpflicht aufgezwungen. Die Burgen waren die Stützpunkte der feudalen Ausbeuterordnung. Die Hárte der Gesetze, unter denen die Slawen standén, verrát eine Aufzeichnung von Gerechtsamen aus der Zeit Heinrichs IV.: Der Slawe, der an dem festgesetzten Tage den Honig nicht abliefert, wird in Ketten geworfen, bis er zinst; wenn einer von ihnen im Lande etwas stiehlt, so soll er Weib und Kind verlieren. Immerhin darf man sich die Unterwerfung nicht als eine Ausrottung der Bevölkerung wie in manchen rechtselbischen Gebieten vorstellen. In den Fuldaer Annalen wird anerkannt, daB

Termékadatok

Cím: Naumburg [antikvár]
Szerző: Christian Kupfer Paul Beyer
Kiadó: VEB F. A. Brockhaus Verlag
Kötés: Fűzött kemény papírkötés
Méret: 200 mm x 230 mm
Christian Kupfer művei
Paul Beyer művei
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