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Michael Neumann-Adrian - Oberitalien [antikvár]
 
Von Hannibal bis heute -Stationen der Geschichte Oberitaliens Elefanten im Schnee. Es ist spät im alpinen Jahr, schon Oktober. In neuntägigem Marsch hat sich der karthagische Heerwurm auf die Paßhöhe des Mont Cenis am Col de Ciapier hinaufgearbeitet. Hier, in zweieinhalbtausend Metern Höhe, erlaubt Hannibal seinen von Überfällen und Gebirgsstrapazen erschöpften Truppen zwei Rasttage, zeigt ihnen den Blick in die zweitausend Meter unter ihnen liegende Poebene. Andenhalb Jahrzehnte lang wird er mit ihnen durch Italien ziehen, und nie...
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Von Hannibal bis heute -Stationen der Geschichte Oberitaliens Elefanten im Schnee. Es ist spät im alpinen Jahr, schon Oktober. In neuntägigem Marsch hat sich der karthagische Heerwurm auf die Paßhöhe des Mont Cenis am Col de Ciapier hinaufgearbeitet. Hier, in zweieinhalbtausend Metern Höhe, erlaubt Hannibal seinen von Überfällen und Gebirgsstrapazen erschöpften Truppen zwei Rasttage, zeigt ihnen den Blick in die zweitausend Meter unter ihnen liegende Poebene. Andenhalb Jahrzehnte lang wird er mit ihnen durch Italien ziehen, und nie wieder im folgenden halben Jahrtausend wird Rom eine so tödliche Bedrohung zu überstehen haben. Den «welthistorischen Charakter» von Hannibals Alpenübergang 218 v. Chr. erkannte schon Leopold von Ranke, der diese Alpen als das «vornehmste Hindernis der Kommunikation» bezeichnete. Er hat auch davon gesprochen, daß «das occidentale [westliche] Europa, welches auf der Verbindung der verschiedenen Völker und dem Fortschritt der Kultur derselben beruht, niemals Zustandekommen» konnte, solange «diese gewaltige Grenzscheide» nicht durchbrochen war. Hannibal habe dies als erster getan, «der puni-sche Semit eröffnete der europäischen Kultur ihren Weg». Ganz im Sinne Rankes nennt Arnold Toynbee in seiner «Study of History» das Vorschieben der römischen Grenze vom Po zum Rhein eine direkte, das Vorrücken vom Po zur Donau eine indirekte Folge des Kriegs mit dem Afrikaner Hannibal. OberitaHen, eine Landschaft mit europäischer Vorbedeutung seit je. Die überbreite, sehr flache und sehr grüne Schneise der Poebene zwischen dem Alpenriegel und den Apenninen öffnet sich zur Adria, mit der Venedigs Dogen Hochzeit feierten. Sie taten es auf Macho-Kn: «Meer, wir vermählen dich uns, als Zeichen wahrer und ewiger Herrschaft.» Diese fruchtbare Flußniederung zwischen den Gebirgen und dem Meer umfaßt samt ihrem Einzugsgebiet rund siebzigtausend Quadratkilometer, ein Drittel der italienischen Festlandsfläche. Sechshundertzweiundfünfzig Kilometer lang ist der Po von seinem Ursprung westlich Turins bis zur Adria. Sommerliche Extremschwüle oder dichtes Nebelweiß von Bergamo bis Bologna sind dominierende Klimaerfahrungen automobiler Durchgangsreisender. Pappelreihen und Bewässerungskanäle, dazwischen Bauerngehöfte, manche von anheimehidem Alter, rustikale Architektur-Antiquitäten. Man braucht auf der Autobahn im glasigen Sommerdunst die Städte nur seitwärts liegen zu lassen - Verona, Mantua, Modena und Bologna, Mailand, Piacenza und Parma -, und man ist sich fast gewiß: In dieser brettebenen Landschaft hat die Geschichte keine Zeichen gesetzt, hat vielleicht gar nicht stattgefunden. Aber gerade das Gegenteil ist wahr. Oberitalien ist seit je ein Schmelztiegel, eine Drehscheibe, ein Dschungel der Geschichte. Schon Leopold von Ranke irrte, als er Hannibal das Erstlingsrecht der Alpenüberquerung zusprach. Jahrhundene zuvor kletterten Kelten über die Pässe, legten sich in Oberitalien mit Ligurern, Venetern und Etruskern an. Die römische Republik hielt dagegen, schickte Legionäre und Siedler, gab mit der Zerschlagung der vorindogermanischen Ligurer Beispiele menschenverachtender Vernichtung oder totaler Umsiedlung.

Termékadatok

Cím: Oberitalien [antikvár]
Szerző: Michael Neumann-Adrian Thorsten Droste
Kiadó: Cormoran Verlag
Kötés: Fűzött kemény papírkötés
ISBN: 3860473131
Méret: 250 mm x 310 mm
Michael Neumann-Adrian művei
Thorsten Droste művei
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