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Oberösterreich
Wenn einer über Oberösterreich zu schreiben hat und er ist auf diesem Flecken Erde geboren und er lebt da Das schafft Probleme. Natürlich, es sind viele Standpunkte denkbar. Man kann sich verschanzen hinter Wissenschaftlichkeit, man kann so eine Plattform für Selbstkritik benützen, oder für Eigenwerbung, für philosophische Analysen wie auch immer, das Ergebnis am Ende wird subjektiv sein und, um der Wahrheit willen, subjektiv bleiben müssen. Wenn derjenige, der über Oberösterreich zu schreiben hat, zufällig auch noch Dramatiker ist
Wird er nicht versucht sein, das Effektvolle hervorzuheben? Die Hallstattkultur, die Bauernkriege, die landschaftlichen Gegensätze zwischen Nord und Süd, die künstlerischen Aushängeschilder Bruckner, Stifter, Kubin, die Rauflust der Innviertier, den industriellen Reichtum des Landes, die Mühlviertlerwitze ? Er wird. Verläßlich.
Vor allem aber wird er den Bezug zwischen Landschaft und Menschen deutlich machen, zwischen Geschichte und Charakter, und er wird entschieden der Versuchung widerstehen, sich vor die Bilder zu drängen.
Oberösterreich ist - und ich sage das mit Bedacht - unter den Ländern der Republik ohne Zweifel eines der reizvollsten. Aber das Problem liegt auf einer anderen Ebene: Während Tirol etwa als
das Land der Berge gesehen wird, Wien als kulturelles Zentrum oder Charme-Metropole, während Kärnten das Land der Badeseen ist, Vorarlberg die österreichische Schweiz und die Steiermark halt grün, gibt es für das Gebiet ob der Enns kein Image, das es einigermaßen typisch ausdrückte.
So unvermittelt vor die Frage gestellt: Was ist Ihnen Oberösterreich? - würden viele um eine schnelle Antwort verlegen sein. Mich eingeschlossen. Um nicht auf ein falsches Geleise zu führen: Oberösterreich hat viele Freunde, viele (im Sinne des Wortes) Liebhaber, und Menschen, die ihre Sache durchaus beredt mit Leidenschaft, mit dem nötigen Engagement vorbringen, es hängt nur eben alles davon ab, auf welchen Teil des Landes sie eingeschworen sind. Es gibt viele, die ihren Sommer seit Jahren und immer wieder im Salzkammergut verbringen und viele, die mit derselben Treue dem Mühlviertel anhängen und viele, denen es die herbe, schartige Landschaft der Eisenwurzen hinter Steyr angetan hat, und viele, die sich nachgerade ein kommodes, kleines, pflegliches Leiden herbeisehnen, um sich in eines der Bäder begeben zu können und an der bäuerlich-urbanen Atmosphäre der oberösterreichischen Städte gemächlich wieder zu gesunden. Bis zum nächsten Sommer. Bis zur nächsten Kur. All die vielen und unterschiedlichen Liebhaber kommen einander nie in die Quere. Wer Gebirge sucht, bleibt im Süden, wer ursprünglichem, unverdorbenem Land auf die Spur kommen will, hat seinen Sauwald.