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Es ist ein beglückendes Gefühl, dieses schöne oberösterreichische Land aus der Luft zu sehen und in der Freiheit des Fliegens zu erleben: das Aufbrechen der Farben im Frühling, mit dem frischen Grün der Wiesen und Wälder und dem zarten Weiß der blühenden Bäume; den Sommer mit dem wogenden Gelb des Korns auf den Feldern, dem leuchtenden Türkis und Tiefblau der Seen und dem blanken Gletschereis des Dachsteins.
Wenn sich im Herbst der Laubwald gelb und rot verfärbt und sich da und dort Nebel über die Niederungen legt, kündigt sich bereits der Winter an, der unser Land in sparsamen Farben, vor allem von oben, geradezu malerisch erscheinen läßt. Stets aufs neue beeindruckt mich der Blick vom Hubschrauber hinab auf das durchs Licht im Laufe des Tages veränderte Land, auf die Flüsse und Wege, Dörfer und Städte, auf die mächtigen Bauernhöfe, auf die alten Burgen, barocken Kirchen und Klöster, die pulsierende Industrie, modernen Kraftwerke und auf den behäbig fließenden Donaustrom. Und ständig griffbereit neben mir im Cockpit als verläßliche Begleiterin die LEICA-Spiegelreflexkamera mit ihren brillant und scharf zeichnenden Objektiven, um mit ihr all diese Schönheiten unseres Landes im Foto festzuhalten.
Alfred Haviicek
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Christoph Wagner
Oberösterreich oder
Die Liebe zur Geographie
Wann ich den Namen Oberösterreich zum ersten Mal In meinem Ißben gehört habe, weiß ich nicht mehr. Mag sein im Kindergarten oder zu Beginn meiner Volksschulzeit. Ich erinnere mich jedoch genau an ein gewisses Gefühl der Überlegenheit, das mir diese Information vermittelte. Ich war froh, als Ober- und nicht als Nie-derösferreicher geboren worden zu sein, ohne mir auch nur das geringste Bild davon zu machen, daß derlei Unterscheidungen Irgendetwas mit der Geographie zu tun haben l<önnten. In kindlicher Einfalt dachte ich ganz simpel: „Besser ober als nieder^
MUtlerweile habe ich derlei chauvinistisches Gedankengut freilich abgebaut. Längst habe ich auch das Waldviertel und das Erlauffal schätzen gelernt. Und ich verbringe einen großen Teil meines Lebens nicht mehr in Oberösterreich, sondern in Wien. Das tue ich jedoch nach wie vor in der festen Überzeugung, jetzt .AJnten" zu leben -und keineswegs mehr ,joben''. Das zeigt sich auch In jener umgangssprachlichen Selbsivetständlichkeit, mit der ich — als oft Hin- und Herreisender — nach Wien „äbi" und nach Linz jauffi" fahre Obwohl diese Richtungsangabe eindeutig mit der Stromrichtung der Donau korrespondiert, habe ich noch nie einen Wiener sagen gehört, er würde „nach Linz hinauf" fahren. Das würde seinem metro-polifanischen Selbstverständnis widersprechen und bleibt uns Oberösterreichern oder Exiloberösterreichern vorbehalten.
An dieses Aporienspiel von jober" und „nieder", fluffi" und „abi" dachte ich wieder, als ich mit der Aufgabe konfrontiert wurde, einen einleitenden Essay zu einem Buch zu verfassen, das sich ausschlieBlich mit Luftbildern aus meiner Heimat beschäftigt. Diese dialektische Annäherung schien mir die einzig mögliche an das Thema. Denn ich bin weder ein Kartograph noch ein Pilot. J3berösterreich im Flug" kenne ich allenfalls aus der Perspektive der D09, mit der ich gelegentlich von Wien nach Paris oder London oder Frankfurt fliege Oberösterreich ist dann immer jener eher monotone Fleckerlteppich, den man aus der Fensfer-luke erblickt, wenn das ,Fasten-Seat-Belts"-Zeichen erlischt und man von der Stewardeß den ersten Drink serviert bekommt. Ich nehme das immer etwas enttäuscht zur Kenntnis Das soll mein Oberösterreich sein? - frage ich mich. Denn ich bin ehrlich genug, um mir einzugestehen,