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Oberösterreich/Upper Austria [antikvár]

Karl Pömer

 
Wer in den Reiseberíchten vergangener Zeiten blattért, wird háufig auf die Feststellung treffen, daB das Land ob der Enns eine stille, aber sorgsam gepflegte Provinz sei. Man lebt vielleicht in keiner Weltgegend glücklicher als in diesem Provinzwinkel". meint 1782 der aus Berlin stammende Literaturpapst der Aufklárung, Friedrich Nicolai, und fáhrt tort: Die Natúr hat ihn mit Annehmlichkeiten geschmückt und mit ÜberfluB versehen." Und der Dichter Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857) berichtet 1807 in seinem Tagebuch von einer...
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Wer in den Reiseberíchten vergangener Zeiten blattért, wird háufig auf die Feststellung treffen, daB das Land ob der Enns eine stille, aber sorgsam gepflegte Provinz sei. Man lebt vielleicht in keiner Weltgegend glücklicher als in diesem Provinzwinkel". meint 1782 der aus Berlin stammende Literaturpapst der Aufklárung, Friedrich Nicolai, und fáhrt tort: Die Natúr hat ihn mit Annehmlichkeiten geschmückt und mit ÜberfluB versehen." Und der Dichter Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857) berichtet 1807 in seinem Tagebuch von einer Fahrt ins oberösterreichische Land: Die Gegenden wurden herrlich, die Vegetation immer üppiger und ein anderes Leben begann. Die StraBe wimmelte von Fuhrleuten, die von und nach Lintz fuhren, und eine Menge Leute giengen, da es gerade Sonntag war, in die Kirchen. Ihre Tracht ist schon national verschieden. Die Mánner schwartze Röke und Hősen, rothe Westen und grüne tyroler Hosentráger. Die Weiber auch schwartz und groBe weiBe Hüte oder bunte Tücher auf dem Kopfe. Ihre Gesichter sind eigen frisch, groBáugigt und hertzig, und ihre gantze Form ein Abbild der starken und reichen Natúr, die sie umgiebt." Von der Bevölkerung Oberösterreichs hatte übrigens auch bereits 1741 der Abt Anselmus Desing, ein Oberpfálzer, behauptet: Das Volck ist wacker und gibt es unter den LandLeuthen starcke muthige Kerlen, die sich nicht vil in den Bart greiffen lassen." Sie seien, so meint er, eBfreudig" und bedienen sich sehr starck des Mosts, dem sie aus Holtzoder wilden Obst trefflich zumachen wissen". - Es ist dies eine gute Wirthschafft", stellt er fest. Das Lob, das Oberösterreich in diesen wenigen und obendrein willkürlich herausgegriffenen Darstellungen in der Vergangenheit zuteil wurde, wird in unserer Zeit von den Besuchern des Landes háufig wiederhoit. Auch heute rühmt man den Oberösterreichern nach, daB sie gute, freundliche Gastgeber sind, daB ihnen die Erhaltung und die Pflege des Landschaftsbildes ein Herzensanliegen ist, daB sie aber auch an der Nutzung aller wirtschaftlichen Möglichkeiten ihres Lebensraumes nachdrücklich interessiert sind, Hier wird etwas von der Wesensart der Menschen im Lande ob der Enns sichtbar. Wir entdecken ihre schlichte Lebensweise und ihren naturlichen Humor, der sie sympathisch macht. Wir erieben ihre Gewissenhaftigkeit und ihre Strebsamkeit, Eigenschaften, die schon von ihren Vorfahren im hohen MaBe verlangt wurden: von den Bauern, die jahrhundertelang Untertanen von Herrschaften waren; von den Gewerbetreibenden, deren Existenz seit eh und je eng mit der Qualitát ihrer Arbeit verknüpft ist; und von den klein- und mittelbürgerlichen Schichten. für die die Tüchtigkeit eine Stufe zum Aufstieg bedeutet. Wir begegnen schlieBlich auf Schritt und Tritt dem Bemühen der Oberösterreicher, ihren Wohnort. ihr Haus, ihren Hot, ihren Garten und Wald und Feld zu einer einladenden kleinen Welt zu machen. Dahinter steckt mehr als das Geschick, Fremde ins Land zu ziehen. Vielleicht offenbart sich darin der Ehrgeiz der einstigen Bewohner, den Vorzug jener Provinzen wenigstens ein biBchen auszugleichen, in denen sich geistliche und weltliche Fürsten in groBartigen Werken verewigten. Vor allém aber muB dieser Gestaltungswille des Oberösterreichers als ein Ausdruck der Liebe zum Land gewertet werden. Denn der Oberösterreicher liebt sein Land, Das ist kein lauter, wortreicher Patriotismus, sondern eine Liebe, die aus der Verbundenheit der Menschen mit der Natúr und aus der Verklammerung mit dem wechselvolien Schicksal des Landes erwuchs. Die Bevölkerung sucht und liebt nicht das AuBergewöhnliche, sondern das Wesentliche ihres Landes. Sie weiB: Oberösterreich ist weder das gröBte noch das bevölkerungsmáBig stárkste Bundesland, sondern es reiht sich mit seiner Fláche von rund 12.000 Quadratkilometern an die vierte und mit der Einwohnerzahl von rund 1,2 Miliionen an die dritte Stelle unter den österreichischen Bundeslándern. Oberösterreich besitzt nicht die höchsten Berggipfel, wenngleich sich hier im Höllen-. im Toten- und im Sengsengebirge sowie im Warscheneck und in der Pyhrgasgruppe máchtige Berge und Bergketten befinden. Das Land hat auch nicht die meisten oder die gröBten Seen, obzwar der Attersee und der Traunsee fláchenmáBig nur vom Bodensee und dem Neusiedler See übertroffen werden. Und sicher ist Oberösterreich weder das geschichtlich bedeutsamste noch das an Kunstschátzen reichste Land. Andererseits aber wissen die Oberösterreicher, daB sie in einem Land wohnen, auf dessen Schönheit sie stolz sein können. Es ist dies eine Schönheit, die durch ihre Vielfalt besticht. Wer das Land vom Norden nach Süden durchquert. kann den ganzen Variationsreichtum kennenlernen, in dem sich die Natúr hier offenbart . vom schweigsamen Wald an der tschechischen Grenze bis zur Romantik des Donautales und von den fruchtbaren Ebenen des Alpenvorlandes bis zu den herrlichen Bildern der Seen- und Gebirgswelt des Salzkammergutes. In edler Übertreibung macht Adalbert Stifter im Jahre 1851 einem Norddeutschen namens J. Mórner die Schönheit dieses Landes schmackhaft: Unser Oberösterreich ware es schon ein wenig der Mühe werth". schreibt der Dichter, wenn Sie schon aus Norddeutschland den Süden besuchen, daB Sie es auch besáhen. es ist ein schönes Land. ein herrliches Land. das schönste im Kaiserthume..." Die Oberösterreicher aber lieben ihr Land vor allém, weil sie im Laufe der Jahrhunderte um seinen Besitz,

Termékadatok

Cím: Oberösterreich/Upper Austria [antikvár]
Szerző: Karl Pömer
Kiadó: Rudolf Trauner Verlag
Kötés: Vászon
ISBN: 3853201482
Méret: 240 mm x 270 mm
Karl Pömer művei
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