Bővebb ismertető
AUS DER WELT DES ÖSTERREICHERS österreich ist ein kleines Land. Kartographen kommen in Verlegenheit, wenn sie es auf Weltkarten im Taschenformat einzeichnen sollen. Wer Österreich an seiner schmalsten Stelle im Autó durchquert, wird auf der Fahrt von Grenze zu Grenze mit einem ausgiebigen Lunchpaket kaum fertig werden. Besteigt er frühmorgens in Wien den Expreft, um gegen das westliche Ende des Landes zu reisen, wird er in Bregenz noch vor Sonnenuntergang eintreffen. So klein ist österreich. In diesem Lande, dessen Namen Austria" in der Welt oft mit Australia" verwechselt wird, sind sieben Millionen Menschen zu Hause. Eine winzige Minderheit unter den zweieinhalb Milliárdén Bewohnern unserer Erde. Doch es ist kein schlechtes Los, wenn man in diese Minderheit hineingeboren wird und es im Laufe des Lebens durch Obung, Ausdauer und Gleichmut zum gelernten" Österreicher bringt. Man wird wenig Feinde in der Welt gewinnen" und sich daher kráftig bemühen müssen, mit seinen Freunden fertig zu werden, aber dies beruhigt ungemein. Ruhe und Gelassenheit, göttliche Gnaden, die der moderne Tatmensch táglich von neuem im Keime erstickt, sind alsó in österreich noch wirksam. Ruhe und Gelassenheit bezieht man dort nicht von der pharmazeutischen Industrie, sondern aus einer von Geschlecht zu Geschlecht vererbten Lebensweisheit. Dem österreicher sind weltverbessernde Philosophen, überspannte Ideen und alles, was nach Umsturz aussieht, höchst verdáchtig. Er nimmt solcherlei mit Vorbehalt auf und biegt es schon bei der ersten Berührung nach seinem eigenen Bedürfnis zurecht. Das Kantigscharfe rundét er, das Überscháumende dámpft er, und allém Mafílosen gibt er ein ertrágliches Mai?. Darum stiftet ein gefáhrlicher Ismus" in österreich weniger Unheil als anderswo; darum reifíen selbst die Radikalen die Báume nicht samt den Wurzeln aus, verlaufen geistige Seuchen und drohende Aufmársche meist harmlos, sind die Wolkenkratzer nie so hoch, die Torheiten der Mode nie ganz so verrückt und die Gegensátze in der menschlichen Gesellschafl nie so kraft wie in anderen Lándern. Sogar die Diktatur vérmochte der österreicher zu mildern und zu vermenschlichen. Der österreicher beherrscht den Ausgleich. Ausgleich der Gegensátze führt zu Toleranz. Man ertrágt den Náchsten, ohne zu seufzen. Man Iáik ihm seinen Glauben, seine Irrtümer, Vorurteile und Fehler. Man hált Toleranz für so erstrebenswert wie etwa einen guten Tropfen, gibt es doch Hotels und Gastháuser auf dem Lande, die das ungewöhnliche Schild Zur Toleranz" zeigen. Man wird einem Diogenes áhnlich unter den sieben Millionen Bürgern des Kleinstaates suchen müssen, bis man einen entdeckt, der seine politische Einstellung durch ein Abzeichen signalisiert. Der österreicher steckt lieber den Gamsbart, ein Wapperl" vom letzten Schützenfest oder vom Kandaharrennen auf den Hut. Er weift, dafí der Náchstbeste theoretisch die entgegengesetzte Meinung hegen müftte, denn die beiden Máchtegruppen, die in österreich das politische Wetter machen, sind nahezu gleich stark. Dies bedeutet, dafi alles ausgependelt und ins Gleichgewicht gebracht werden mufi. Auch das beruhigt. Was geschieht jedoch, wenn es wirklich einmal nur die Entscheidung entweder - oder" geben sollte? Der österreicher weicht solch barbarischer Alternative geschmeidig aus und wáhlt im Ernstfall von zwei Möglichkeiten - die dritte. Kunst des Kompromisses, Triumph des Ausgleiches! Aber das Muster ist geschützt und als Exportartikel kaum geeignet.