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EINFÜHRUNG
FRANZ PRINZ ZU SAYN-WITTGENSTEIN
Zahlreich, vielfältig sind in einer Spanne von fast zweitausend lahren die Schlösser entstanden, als Zeugen einer festgefügten Gesellschaftsordnung, als Zentren größerer oder kleinerer staatlicher Gewalten, die das Antlitz Europas geformt haben. Schon immer ist das Schloß, neben der sakralen Architektur oder in Verbindung mit ihr, wie im Escorial, monumentaler Ausdruck architektonischen Wollens gewesen. Der Drang des Menschen zu bauen, vor allem sich ein Heim zu schaffen, ist uralt. Ebenso alt ist das Bedürfnis, das Haus mit allem auszustatten, was dazu dienen mochte, eine Domäne persönlichen Lebens zu bilden. Die Geschichte der Schlösser in Europa wird jeden beschäftigen, sogar angenehm beschäftigen, der sie mit offenen Augen und ohne Vorurteile betrachtet und ihrer Entstehung, Bedeutung und ihren Schicksalen nachgeht. Das Interesse an Schlössern, von denen heute viele dem Publikum zugänglich sind, beruht auf dem echten Interesse an geschichtlicher Vergangenheit, auf der Freude am Schönen und Staunenswerten, aber auch auf persönlicher Neugier: man möchte erfahren, wie die Besitzer solcher Häuser lebten und leben. Residenzen, Burgen, Schlösser entstanden seit dem
Beginn der Geschichte in allen Weltteilen mit einer aristokratischen Oberschicht, unter Herrschern, die meist göttliche Verehrung genossen. Im Zweistromland, auf Kreta, in Ägypten, Persien, im Lande der Inkas und Azteken baute man Residenzen, in Griechenland gab es Königsburgen, in Italien die schloßartigen Villen der Etrusker und Römer. Letztere bevorzugten das Atriumhaus nach griechischem Vorbild. Die römische Kaiserzeit ließ wieder große Paläste entstehen. Wir denken an Neros „Goldenes Haus", an Kaiser Hadrians prächtige Villa in Tivoli, an den Palast der Flavier auf dem Kapitel. Aber nicht allein griechische Architektur beeinflußte den Bau solcher Anlagen, auch das römische Kastell, das sich allerorten im römischen Imperium fand, wurde für diese Bauten bedeutungsvoll. Seine Auswirkungen reichen darüberhinaus noch weiter bis in den Festungsbau der Renaissance.
Nach dem Vorbild eines befestigten römischen Kastells ließ sich Kaiser Diokletian um 500 n. Chr. in Spalato (Split) an der dalmatinischen Küste eine ausgedehnte Palastanlage errichten, die trotz ihrer mächtigen Befestigungen in den großzügigen städtischen Gesamtplan integriert ist. Um ein Straßenkreuz ord-
Diokletianspalast in Spalato, dem heutigen Split (ßOS n. Chr.). Rekonstruktionszeichnung