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Panorama Schweiz [antikvár]

Hans Kasser

 
WERNER KÄMPFENDAS PANORAMA IN DER WORTDEUTUNG UND IM ZITATEIN GELEITWORTWas doch der Klang, die klangliche Faszination eines Wortesalles vermag! Als ich den Buchtitel Panorama Schweizzum erstenmal hörte, reagierten Gemüt und Verstand ganzuneidgenössisch : statt der Scheu vor der gehobenen Spracheund dem helvetischen Mißtrauen gegenüber allzu Poe-tischem stellte sich die unbändige Lust nach dem echtengroßen Wort für diese Einführung ein. Und auch hinter-her, als die erste Begeisterung verflogen war, machte sichdie nationale Neigung,...
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WERNER KÄMPFENDAS PANORAMA IN DER WORTDEUTUNG UND IM ZITATEIN GELEITWORTWas doch der Klang, die klangliche Faszination eines Wortesalles vermag! Als ich den Buchtitel Panorama Schweizzum erstenmal hörte, reagierten Gemüt und Verstand ganzuneidgenössisch : statt der Scheu vor der gehobenen Spracheund dem helvetischen Mißtrauen gegenüber allzu Poe-tischem stellte sich die unbändige Lust nach dem echtengroßen Wort für diese Einführung ein. Und auch hinter-her, als die erste Begeisterung verflogen war, machte sichdie nationale Neigung, den Schwung und die ausladendeGebärde auf halbem Weg zurückzunehmen, nur als Anflugeiner leichten Versuchung bemerkbar. So laßt uns für ein-mal überschwenglich, kühn, rhapsodisch, ja maßlos statttrocken, nüchtern, sachlich oder veristisch sein! Eineandere Frage freilich, ob wir, eingespielte Diener der Sach-lichkeit, des pathetischen Wortes überhaupt noch fähigsind.Bestimmt meint Hans Kasser mit Panorama Schweizmehr als die Panoramen in der Schweiz oder schweizerischePanoramen, doch sind sie es, die als erste Vorstellung insgeistige Bild gleiten. Und so möchte man in Gedanken anunsere vielen Panoramen, denen die schweizerische Be-zeichnung d'Lueg das Heroische nimmt, unserer Nüch-ternheit gerne einen Stupf geben, in das einführende WortSchwung, Herz, Begeisterung, Gemüt und Romantik hin-einlegen; ja man ist versucht, statt eines herkömmlichenVorwortes gar eine große, unserem Zeitalter ach - ent-fremdete Lobrede zu halten, wie man sie oft auf einemeinsamen Gipfel in das weite Bergrund sprechen möchte,auch trotz des Einsehens, daß ja das große Schweigen rings-um die gewaltigste Stimmstärke übertreffen muß. VonMuzot oder Raron ins weite Tal-Panorama blickend, hatRilke die Sprache der stummen Natur in den Vierzeilereingefangen :Parfois elle paraît attendriequ'on l'écoute si bienalors elle montre sa vieet ne dit plus rien.Et ne dit plus rien. Auch wir Schweizer sind auf unserenAussichtspunkten stumme Betrachter, und dies nicht nuraus rhetorischem Unvermögen. Als 1898, bei der Eröffnungder Gornergratbahn, ein schweizerischer Festredner denbedeutenden Anlaß durch Verlesen eines dicken Manu-skriptes feiern wollte, sah er schon nach der Anrede an dieHochverehrte Festgemeinde das Nutzlose des Unter-fangens ein, steckte den Text wieder in die Tasche undschloß: Und nun genießt das einmalige Schauspiel, dassich hier bietet! Damit kam es zu einer der kürzesten undnicht einmal schlechtesten eidgenössischen Festreden.Dem schweizerischen Bergsteiger reicht's höchstens zueinem Gipfeljauchzer. Und erst recht wir Heutigen, dieGüllen neben Seldwyla stellen, sind für eine Panorama-Lobrede auf-Zitate angewiesen. Dabei denke ich wenigeran die großen schwungvollen Dichterworte eines Halleroder Gottfried Keller als vielmehr an die liebevolle WeltHeinrich Federers, der für das Große auch die großenWorte nicht scheute, diese aber jeweils durch gütige,lächelnde Kritik ins eidgenössische Maß einfügte. Wohlläßt er den jungen Mang in seinem Frühwerk Berge undMenschen nach dem für jeden Schweizer symbolischenAufstieg auf einen Gipfel ausrufen: Herr, Du mein Gott,so viele Berge gehören uns, steckt aber fortfahrend demPathos und Weitblick die uns von Natur und Wesensartgezogenen Grenzen: Mang freute sich an diesem groß-artigen Platz und an allem, was er von da aus wie eine aus-geschüttete Welt um sich sah. Welch eine stolze Heimat!Diese wehrhaften Berge! Und die lauschigen Täler! Undimmer wieder ein See oder ein aufblitzender Fluß, um derdurstigen Eidgenossenschaft die Lippen zu netzen. Ging'seinmal in eine Hochebene, so lief gewiß ein kurzweiligerHügel dazwischen mit viel blauem Wald und anklebendenHaidendörflein, oder der Jura fingerte mit seinen Aus-läufern hinein, oder eine alte gemütliche Stadt plaudertesich mitten ins Bild. Und wo es dann so unendlich ebenwerden sollte, da zog erst noch der stattliche Rhein seinenbreiten grünen Wassergraben, daß wir nicht etwa unver-merkt eines schönen Tages in diese Ebene hineinrutschenund darin mitsamt unserem buckligen Republikanertumverschwinden. Wie schlau zu aller Schönheit das Ländchendoch gebaut und eingerichtet ist! Wie schlau auch von Federer, den lieben Republikanerndiese Mahnung zur Selbstbescheidung - zwei Jahrzehntevor 1933! - mit einem Lächeln zu servieren und nicht mitdem Basler Sarkasmus in Spittelers viel zitiertem Wort,unsere Berge wären, wenn wir sie selber hätten machenmüssen, platter ausgefallen. Und nochmals niedrigerer,fügen wir Schweizer des Panorama-Jahres 1963 bei, wennwir den Gipfelaufbau auch noch hätten finanzieren sollen.

Termékadatok

Cím: Panorama Schweiz [antikvár]
Szerző: Hans Kasser
Kiadó: Artemis Verlag
Kötés: Vászon
Méret: 250 mm x 320 mm
Hans Kasser művei
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