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PRAG, DAS KÖNIGLICHE, GOLDENE, HUNDERTTÜRMIGE Wieviel treffende Epitheta wurden schon dem Namen Prags zugereiht, keines bringt jedoch völlig restlos den Charakter und die Bedeutung dieser Stadt zum Ausdruck. Man fühlt hinter diesen Beiworten die Achtung und Liebe des Volkes, mit dessen Geschichte Prag seit jeher eng verbunden war und in der die Stadt eine der Hauptrollen spielte. Irgendwo in dieser Sphäre, in dieser engen und ständigen Verbundenheit, ist wohl die eigentliche Bedeutung Prags für unser Leben zu suchen. Oft haben Ereignisse, die sich auf dem Boden Prags abgespielt haben, das Leben der Menschen unserer Heimat zum Guten oder zum Bösen beeinflußt; manche überschritten sogar den Rahmen der Nation. Man denke dabei nur an die Ära Karls IV., die Hussi-tenbewegung, die Schlacht am Weißen Berg oder die Zeit der nationalen Wiedergeburt. Aus Prag gingen viele, für unsere Nationen wichtige Persönlichkeiten hervor und noch viel mehr fanden hier ihren Wirkungskreis fürs ganze Leben.In dem Jahrtausend, in dessen Verlauf Prag das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der böhmischen Länder gewesen ist, schufen der Intellekt und die Hände von Dutzenden Generationen ein monumentales Werk, das wegen seiner Schönheit und seiner kunsthistorischen Bedeutung im Brennpunkt des Interesses der Besucher und der Künstler stand und ständig steht.Unsere Publikation will und kann auch schon in Hinblick auf ihren Umfang kein vollständiges Bild des tausendjährigen Prag und der Schönheiten seiner Architektur bieten. Sie will vielmehr den Leser durch das bekannte und weniger bekannte Prag führen, um ihn an anschaulichen Beispielen erkennen zu lehren, womit dieser oder jener Zeitabschnitt Prag bereichert hat, worin die Einzigartigkeit der einzelnen Stilepochen zu suchen ist, die gleichzeitig ihren spezifischen Anteil an einer breiten kulturhistorischen Entwicklung haben. Es würde uns freuen, wenn es dem Leser dabei zu Bewußtsein käme, daß er auch in seiner näheren Umgebung verschiedenen Elementen dieser tausendjährigen Entwicklung begegnet, daß auch in uns allen und in unserem ganzen Lebensmilieu ein Stück dieses Erbes weiterlebt, daß wir selbst ein Teil dieses Erbes sind.