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N^ AHEZU DREI JAHRTAUSENDE formt unablässig der Mensch die Landschaft am unteren Rhonestrom. Beiderseits des von Norden zum Mittelmeer drängenden großen Flusses breiten sich heute weithin Äcker und Auen, Weingärten und Weiden, umschließen Städte und Dörfer, sind selbst eingesponnen ins Netz der Straßen, Flüsse und Kanäle. Drei Jahrtausende ist der Mensch ihr Herr und Pfleger. Groß ist im JSüttag das Land, und im Mittag siedet der Saft in den Früchten. Gluthart ist die Erde, Stille summt über ihr. Und das Land saugt sich voll Sonne.
Weit wird zum Abend das Land, und im Abend atmet es freier, schüttelt das Schweigen ab, ist sonnengesättigt.
Breitet sich Nacht über das Land, flammen schwärzlich Zypressen ins Sternenlicht, wehen Träume, gezeugt von Vergangenen, bedrängend die Lebenden, mischt sich, was war und was ist. Groß ist das zeittiefe Gestern. Tausendfältig durchtränkt es das Heute.
Uberall zeichnet sich ab, was einst in der Landschaft geschah. Vom Ältesten wissen wir wenig, wissen nur Spärliches von Art und Ordnung der kelüschen und hgurischen Völker. Einzig die Spuren ummauerter Städte und Festen weisen auf Menschenwerk weit vor Roms Gründung. Erst als neue Kräfte ins Land geströmt waten, als griechische Kolonisten sich festgesetzt hatten, hob es sich aus dem Dämmer ins Licht.
Nach Hellas und Rom wurde die Landschaft zum dritten Zentrum antiker Kultur, Herberge zahllosen Völkern, Marktplatz dreier Erdteile, wurde Gärtopf mannigfacher geistiger Strömungen, Kampfplatz den Machthungrigen und Beute dem jeweiligen Sieger. All das ist eingeschmolzen der Landschaft, wirkt fort in den Menschen bis in unsere Tage. Klarsichtig und hellhörig wurde der Mensch in diesem Geschehen und skeptisch; skeptisch der von Glauben erfüllte, weil sein religiöses Empfinden unterflossen ist von nichtchristlichen Wildbächen; skeptisch erst recht der im Wissen starke, weil sein Denken in vergangenen Kulturen wurzelt, die ihm vertraut sind. In diesem Lande, wo seit je die Gegensätze aufeinanderprallen, sich reiben und schleifen, wird der Verstand scharf und das Denken behende. In solchem Klima verfällt jedwede geistige Starre der Lächerlichkeit. Dort auch konnte das Wort Untertan niemals die Bedeutung gewinnen, die ihm die Eroberer beimaßen; allein der Begriff schon ist dem Proven^alen fremd - wer von tausend Herren unterworfen wurde, weiß sie zu meistern.