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tausend jahre rheingau-taunusMenschen - Begegnungen - Gemeinsamkeiten Kari Rolf SeufertDer Rheingau-Taunus-Kreis entstand am 1. Januar 1977 durch die Zusammenlegung der beiden Kreise Rheingau" und Untertaunus". Er umfaBt damit Orte und Landschaften, die Bewohnern wie Besuchern als wertvoile Ergánzungen erscheinen: hier die waldreichen Nordwesthánge des Hochtaunus, da der rebenbewachsene rechte Uferstreifen des Rheines zwischen Walluf und Lorchhausen.Zwar werden Grenzen immerfort verándert, wie die Geschichte zeigt - im 20. Jahrhundert nicht anders als im Mittelalter und nur zu oft standén Unkennt-nis, Gleichgültigkeit, Zufall und Kriegsglück dabei Pate. Doch im Rheingau-Taunus-Kreis Hegen die Dinge anders. Er ist für die GeschichtsbewuBten fast so etwas wie eine historische Wiedervereinigung, denn die prágenden Bindungen zwischen Rheingau und Taunus sind eng, mannigfaltig und sehr alt - rund ein volles Jahrtausend. Die Menschen zwischen Rhein, Wisper, Emsbach, Aar und Walluf standén von jeher in besonderer Weise unter den Einwirkun-gen der Geschichte. Der Wechsel des Glücks und der Herrn prágten dieses alte Kulturland stárker, als dies anderswo geschah.Wir wissen aus vielerlei Zeugnissen, daB der Rheingau-Taunus schon seit der Vorzeit besiedelt ist und niemals aufgegeben wurde. Da sind die Funde aus der Hallstattzeit (600 - 400 v. Chr.) von Esch, Strinz-Trinitatis, Wehen, Born sowie der Ringwall bei Lipporn. Nicht weniger bedeutsam sind die Funde im Rheingau. So fand man in Johannisberg dreiBig bron-zene Armreifen, dazu eine Axt aus Diorit, die zwei-einhalb Jahrtausende alt sind.Gegen Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. drangen die Kelten in den Rheingau-Taunus vor. Lorch und Kiedrich sind Namen keltischen Ursprunges. Kernel war schon in keltischer Zeit ein StraBenknotenpunkt. Auch in dem Namen Taunus" steckt eine keltische Wurzel, die soviel wie Anhöhe" bedeutet.Dann die römischen Zeugnisse überali im Taunus, in Wiesbaden und entlang des Rheins. Schon unter Augustus schufen sich die Römer einen ersten rechtsrheinischen Brückenkopf bei Mainz; aber erst 83 n. Chr. konnten sie ihre Grenzen über die Taunushöhe hinaus vorschieben. Dabei berührte der Limes auch den Rheingau-Taunus zwischen den Kastellen Holzhausen auf der Haide und Kernel. InRudesheim, Winkei, Eltville, Kiedrich und Walluf stieB man auf die Reste römischer Siedlungen. Als Kaiser Valentinian auch die Rheingrenze befestigen lieB, wurde bei Lorch ein Turm errichtet, der den Brückenkopf sicherte.Bereits um 233 n. Chr. durchbrachen die Ale-mannen zum erstenmal den Limes, den die Römer dann um 260, nach zweihundertfünfzigjáhriger Herr-schaft, endgültig aufgaben. Um die Mitte des 4. Jahrhunderts rückten die siegreichen Alemannen in den Südtaunus ein. An diese Siedlungsperiode erinnern die ,,-ingen"-Endungen der Ortsnamen wie Meilingen und Eibingen. Hundert Jahre spáter gingen auch die linksrheinischen Reste der Römerherrschaft verloren. Gleichzeitig rückten die Frankén, vom Niederrhein und aus Ostgallien kommend, nach Norden vor. Mit dem Siege Chlodwigs, 496, über die Alemannen kam auch der Rheingau-Taunus unter fránkischen Ein-fluB. Es sind vor allém die ,,-heim" -Orte, die daran erinnern: Hattenheim, Geisenheim, Rüdesheim, Bechtheim und Walchesheim-Walsdorf. Daneben ist die fránkische Ára durch einen Friedhof in Eltville dokumentiert.Das alles lieBe sich so beliebig durch Fakten ausbauen und fortsetzen: Kelten - Germanen -Römer - Alemannen - Frankén Sie münden naht-los ins christliche Frühmittelalter ein, oder- um mit Zuckmayer zu sprechen - das alles hat am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt". Da klafft nirgendwo eine Lücke. Und jede Epoche hinterlieB ihre Spuren, wie könnte es auch anders sein.Graber - Burgen - Bürgerhauser - Klöster und Kirchen, aber auch geistige Dokumente - Doku-mente der Kunst, Werke der Musik, der Plastik, der Maierei und der Dichtung zeugen noch heute davon.Noch aus der Landnahmezeit verfügten die fránkischen Könige über wertvollen Besitz am Rhein. Für diesen Königsundergau", zu dem auch der Taunus gehörte, begann sich nun das Erzstift Mainz zu inter-essieren. Es leitete damit eine Entwicklung ein, die dazu führte, daB zu der Zeit, als Erzbischof Lullus im Waldland des Taunus die Abtei Bleidenstadt grün-dete Mainz in der unmittelbaren Nachbarschaft schon erhebliche Besitzungen besaB - und das war um785.