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ROTENBURG/WÜMME - du kleine Stadt im Wiesental
Das genaue Gründungsjahr ist ebenso unbekannt wie die Herkunft des Namens: Zwischen 1193 und 1195 errichtete Bischof Rudolf von Verden in den sumpfigen Wiesentälern von Wümme, Wiedau und Rodau die „Rode Burg". Diese Schutzburg Verdens gegen den Erzbischof von Bremen war sozusagen
die Geburtsstunde der heutigen Stadt Rotenburg. Ob ihr Name von den erstmals verwendeten „roten" Steinen oder von den für den Burgbau erforderlichen Rodungen oder gar von der Rodau kommt, das vermag heute niemand mehr zu sagen. Rund um die Burg entstand die Siedlung, und deren Bewohner hatfen es in ihrer wechsel vollen Geschichte nicht immer leicht. Aber sie haben sich immer mit der jeweiligen „Obrigkeit" arrangiert. So erhielten sie bereits 1290 von Bischof Conrad I. die Zehnt- und Kontributionsfreiheit und von Bischof Johann III. von Asel das Recht, eine Getrqnkesteuer zu erheben. 1300-1332 wurde die Rotenburg ausgebaut und 1427 die Siedlung Marktflecken, wie Bischof Johann III. von Asel in einer Urkunde an den „Borgermeister vndt Ratsmonne vnses Bleckes tho Rodenborgh" bestätigte. Um 1500 wurde der Flecken mit Gräben und Mauern befestigt, und Bischof Bartold von Landesbergen stattete die Rotenburger Handwerker mit Privilegien für den abzuleistenden Wehrdienst aus. Im 16. und 17 Jh. wurden die Bewohner Rotenburgs arg gebeutelt: Im Schmolkoldischen Krieg (1546/47) wurde die Burg von den Mansfeldern erstürmt, und 1590 brannte sie nieder. Bischof Philipp Sigismund errichtete an ihrer Steile 1597 ein Renaissanceschloß, welches im Dreißigjährigen Krieg zur Festung ausgebaut wurde. Die Festung wurde erst von Tilly und 1645 von den Schweden besetzt und fiel 1675 in die Gewalt der Truppen des münsteriändischen Bischofs. Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) wurden die Festungsanlagen noch einmal erneuert, verfielen danach ober zusehends. Im Befreiungskrieg besetzten die Franzosen sie noch einmal, und 1845 wurde sie endgültig eingeebnet, so daß heute niemand mehr weiß, wie sie ausgesehen hat.
In den Jahren 1626, 1632, 1647 und 1648 brannte Rotenburg jeweils nieder, und in den Jahren dazwischen — vor allem 1628 — wütete die Pest. Von 1632—35 und von 1648—1719 war Rotenburg unter schwedischer Herrschaft, danach wurde es weifisch. Wie schlimm es den Rotenburgern in jener Zeit erging, wissen wir aus einem Bericht des Oberamtmanns von Haeriem an den König von Hannover: „Die mehrsten Häuser sind spolieret, dieThüren und Fenster entzwey geschlagen und die Zäune aufge-brondt. Die Unterthanen sind totoliter ruinieret und müssen diesen Winter bis zur Ernte not und hunger leiden."
Es folgten weitere Brandkatastrophen in den Jahren 1796, 1824 und 1835. Als Preußen 1866 das Königreich Hannover annektierte und es in eine preußische Provinz umwandelte, kündigten sich Gebietsreformen an. 1867 wurden die Ämter Rotenburg und Zeven zum Kreis Rotenburg zusammengefaßt. Weitere Gebietsarrondierungen kamen in den folgenden Jahren dazu, und 1929 wurde der Flecken Rotenburg zur Stadt erhoben. Heute ist die Stadt Rotenburg pulsierender Mittelpunkt im Dreieck Hamburg — Bremen —Hannover, umgeben von Wäldern, Mooren und Wiesentälern. 1974 wurde die durch private Kontakte mit belgischen Soldaten begonnene Freundschaft zur offiziellen Städtepartnerschaft zwischen Rotenburg und der Stadt Aalter in Belgien. Und mit den Städten Rothenburg ob der Tauber, Rotenburg an der Fulda und Rotenburg in der Schweiz bildet Rotenburg/Wümme schon seit vielen Jahren ein städtepartnerschaftliches Kleeblatt, dos inzwischen durch die sächsischen und thüringischen Rot(h)enburgs auf ein stolzes halbes Dutzend angewachsen ist. ^ ^