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Dr. Waither Scheidig,BelvedereSchloß, Park und RokokomuseumUnter den Fürsten, die in früheren Jahrhunderten Herren in den Weimarischen Landen waren, ist der Herzog Ernst August (16881748) ein typi-scher Vertreter der Ideen von Herrschergewalt und Gottesgnadentum desFeudal-Absolutismus gewesen. In der Zeit seiner Alleinherrschaft von 1728bis 1748 hat er versucht, alle Mittel und Fähigkeiten seiner Untertanen deneigenen Leidenschaften und Neigungen dienstbar zu machen. Mit denFürsten seiner Zeit teilte er den Ehrgeiz, machtvoll und reich erscheinen zuwollen. Diesen erwünschten Anschein zu erwecken, war auch für ihn dieBaukunst das bevorzugte Mittel. Als Herr über ungefähr 60000 Untertanenhat Ernst August in zwanzig Jahren in seinem kleinen Ländchen zweiund-zwanzig Parkschlösser, Jagdhäuser oder Fortifikationen erbauen, umbauenoder beginnen lassen (Stadtschloß Weimar, Kastell Falkenburg, SchloßBelvedere, München bei Berka, Hirschruf bei Berka, Schloß Dornburg, SchloßIlmenau, Stützerbach, Troistedt, Zillbach, Ruhla, Schwansee bei Erfurt,Ettersburg, Marcksuhl, Stadtschloß Eisenach, Hohe Sonne bei Eisenach,Wilhelmsthal bei Eisenach, Heussdorf, Niederroßla, Hardisleben, Großbrem-bach, Allstedt).Einer der ersten Bauten in der Nähe von Weimar war die Anlage auf derHöhe der Eichenleite", ungefähr 3 km süd'iich von Weimair. Dorthin ver-legte der Herzog 172223 eine Fasanerie, die sich zuvor in München beiBerka befunden hatte. Sein Baumeister Johann Adolf Richter mußte ihm hier1724 bis 1726 ein kleines, relativ bescheidenes Jagdhaus errichten. DieseMäßigung war durch eine Schuldenlast von 80000 Thalern verursacht, mehraber durch die Tatsache, daß Ernst August die Herrschaft noch mit seinemOnkel Wilhelm Ernst teilen mußte, der ein strenger Haushalter war. Erstmit dessen Tode 1728 fielen diiese Hemmungen fort, und als Alleinherrscherdurfte Ernst August nun ungehindert die Ideen der Repräsentation durchParkschlösser, durch militärische Machtentfaltung, durch Prunkjagden zuverwirklichen suchen, wie er sie auf Reisen am kaiserlichen Hof in* Wien,an den Königshofen von Versailles und Dresden hatte studieren können.So sollte nun hier auf der Höhe über Weimar an der Stelle des kleinenJagdhauses eine zweite Residenz entstehen, die die Möglichkeit bot, fürst-liche Gäste imponierend zu empfangen. Auch mit dieser Erweiterung warzunächst Johann Adolf Richter betraut, dessen Vorfahren seit 3 Genera-tionen als Baumeister, Maler und Zeichner in weimarischen Fürstendienstengestanden hatten. Der Gesamtplan sah zuerst einmal die Trennung des