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Genf, 1760. An den lieblichen Gestaden des Lac Léman lebte ein Philosoph und Schriftsteller, den das wechselvolle Spiel der Naturgewalten, die Sanftheit der Seeland-sdiaft und die stolze Herbheit der in blauer Ferne den Horizont begrenzenden Alpen dermaßen gefangen nahm, daß sie wegweisend für sein weiteres Leben wurden: Jean-Jacques Rousseau. Vor zwei Jahrhunderten, in einer Zeit, da weder Eisenbahnen rasselnd durch die Gaue zogen, noch Motorenlärm die Stille brach und der Mensch nodi Muße für sidi und seinen Lebensraum hatte, fand Rousseau die Liebe zur Natur. Er empfand die Synthese zwischen Landschaft und Gemüt und kleidete diese Empfindungen in schwärmerische Worte, die Sprache benützend, wo andere ebenso kunstvoll mit Pinsel und Palette oder Zeichenstift und Zeichenblock dasselbe versuditen: die romantischen Schönheiten der Natur festzuhalten. Jean-Jacques Rousseau, dessen in Erz gegossenes Denkmal auf einer Insel im Herzen Genfs steht, gilt als der Vater helvetischer Romantik.Rousseaus Auge mag oft und oft entzückt den sanften Hängen seeaufwärts gefolgt sein; er hat Schloß Chillón besudit und wohl auch Villeneuve, das ehemalige römische Pennelocus. Hier verläßt die Rhone ihr von Felsen eingeengtes Bett und bricht mit Wellenspiel die Seefläche, die trichterförmige Talung aber führt in eine imposante Wunderwelt. Damals wie heute mögen Rebberge hügelan gestiegen sein, in denen im Herbst die Winzer farbenfroh und singfreudig Ernte hielten; doch gleich hinter den letzten Rebstöcken säumen Felsen und kräftiger Wald, der hinaufführt zu messerscharfen Graten oder steilen Felsstürzen. Geht man talaufwärts der schäumenden Rhone nadi, kommt man gar bald an den fast rechtwinkligen Knick, den der Fluß besdireibt, um von seiner südwestlichen Richtung den nordwest gerichteten Lauf zum See zu nehmen. An dieser Riditungsänderung sind der Grand Muveran und, in dessen Rüdien, die Diablerets, die Teufelsberge, sdhuld. Dort, wo die Rhone in kühnem Schwung das Knie bildet, lag einst das römische Octodurus, auf dessen zerfallenen Mauern sich nun Martigny erhebt.