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Die Steiermark - Das innere österreichDeswegen halté ich gehorsamst dafür, Euer Durchlaucht sollen, Ihrem beiwohnenden hocherleudi-ten Verstand nach, in medio bleiben, darinnen Sie sich auch bisher tutissimam und nicht ohne grófién Ihren Ruhm erhalten", schrieb der steirische Staatsmann Hanns Ulrich von Eggenberg in der unruhigen Zeit vor dem Dreifiigjahrigen Krieg an Erzherzog Ferdinánd von Innerösterreich, der dann als zweiter Ferdinánd die römische Kaiserkrone tragen sollte, nicht zuletzt wegen des klugen Mafihaltens, zu dem ihm sein vertrautester Ratgeber und erster Minister riet. Das Beharren in der Mitte, das Ausgleichen der Extrémé war schon durch ein halbes Jahrtausend vor diesem Brief die hervorragendste Eigenschaft des Steirers und ist es, wiederum fast ein halbes Jahrtausend hindurch, audi nach dem Brief geblieben. Ja selbst unter den Qsterreichern, denen man doch diese Eigensdiaft im allgemeinen nachrühmt oder audi vorwirft, halt der Steirer die Mitte, und obwohl sein Land erst zweihundert Jahre, nachdem der Name österreich erstmals auf-schien, in der Georgenberger Handfeste Anno 1186 vom letzten Herzog aus dem Geschlecht der steirischen Traungauer dem tugendhaftesten Herzog aus dem Geschlecht der österreichischen Baben-berger anvertraut wurde, bildete die Steiermark nach der grófién habsburgischen Erbteilung im 16. Jahrhundert das Kernstück des Gebietes, dem die Bezeichnung Innerösterreich" zuteil wurde. Doch ein solches inneres österreichertum tragt der Steirer nicht stolz zur Schau, denn dann ware es wohl keines mehr! Er ist sich dessen gar nicht richtig bewufit, er weifi damit ebensowenig anzu-fangen wie die Römer mit dem zuinnerst österreichischen Wesen der steirischen Landschaft, die sie, alles Begegnende in einer Mitte verkennend, in ihre grófién Provinzen Noricum und Pannonién aufteilten. Diese durch das Land gezogene Grenze zwischen emsigem norischem Arbeitsfleifi und ratselhafter pannonischer Weite war aber auch der erste uns bekannte Versuch einer regionalen Zuordnung der Steiermark. Ihre ersten Bewohner, deren jahrtausendealte Spuren Feuerstellen, Werkzeuge aus Stein und Bein in den Höhlen des mittleren Murtales gefunden wurden, mach-ten sich darüber wohl so wenig Gedanken wie jene frühen Ackerbauern, die wir hier nur anneh-men können, da sich ihre Werke und Zeugnisse im Dunkel endloser, urtümlicher Walder für immer verloren.Auch den Kelten können wir keine Fahigkeit zu regionaler Gliederung und Organisation nach-weisen, wenn sie auch vor zweitausend Jahren die ersten grófién kulturellen und zivilisatorischen Leistungen in diesem Land vollbrachten. Davon berichtet uns heute noch die Rekonstruktion des sogenannten Königshauses von Noreia auf dem Neumarkter Sattel oder der bei Strettweg gefun-dene Opferwagen, davon künden Beweise eines hochentwickelten Bergbaues in den Salzstollen des Ausseerlandes, in eisenerzháltigen Bergen, von denen der Erzberg bei Eisenerz der berühmteste ist, und vielleicht auch in manchen engen Schachten des Oberzeiringer Silberbergwerkes. Erst die Römer erschlossen die Steiermark der Landkarte und der Geographie. Römisches Organi-sationstalent erst ordnete die altén Handelswege zu einem System, dem viele steirische Haupt-verkehrsstrafien auch heute noch folgen. Aber schon unter den Römern begann sich auf norischem ebenso wie auf pannonischem Gebiet das steirische Schicksal abzuzeichnen, in medio zu sein, in der Mitte, nichts zu provozieren oder zu bestimmen, aber Anteil zu nehmen an allém, an entschei-denden politischen Vorgangen, an der Kultur, der Wirtschaft und der Medizin. So entstand mit Flavia Solva in der Nahe der heutigen Stadt Leibnitz eine bedeutende Garnisonsstadt; die in der Steiermark ausgegrabenen, besonders künstlerisch gestalteten Grabstelen lassen auf wichtige Kul-turstatten schliefien, und die Rohstoffe aus bereits den Kelten bekannten Bergwerken wurden auf oft sehr kühn angelegten Strafien ihrer weiteren Verwendung zugeführt. Die Heilquelle von Mittendorf im Salzkammergut kannten die Römer ebenso wie Glechenberg, den heute größten Kur- und Badeort der Steiermark.