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Schönes Paris 2000 [antikvár]

Noel Graveline

 
EinführungAn der Schwelle zum 3. Jahrtausend zeit hnet sichParis unter allen Metropolen der Welt durch eineVielzahl von tiefgreifenden städtebaulichenMaßnahmen aus, die das Gesicht der französi-schen Hauptstadt in vielfältiger Weise verän-dern: jahrhundertealte Blickachsen werden ver-längert, verschlafene Stadtviertel werden völligumgekrempelt, und an allen Ecken und Endenwird sichtbar, daß Beton, Metall und Glas mit denSteinquadern der Prachtbauten aus der Zeit Lud-wigs XIY. und des Empire in Konkurrenz treten.Das Antlitz einer Stadt...
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EinführungAn der Schwelle zum 3. Jahrtausend zeit hnet sichParis unter allen Metropolen der Welt durch eineVielzahl von tiefgreifenden städtebaulichenMaßnahmen aus, die das Gesicht der französi-schen Hauptstadt in vielfältiger Weise verän-dern: jahrhundertealte Blickachsen werden ver-längert, verschlafene Stadtviertel werden völligumgekrempelt, und an allen Ecken und Endenwird sichtbar, daß Beton, Metall und Glas mit denSteinquadern der Prachtbauten aus der Zeit Lud-wigs XIY. und des Empire in Konkurrenz treten.Das Antlitz einer Stadt verändert sich rascherals das Herz eines Menschen, hat Baudelaireeinst geschrieben. Unschwer ist einzusehen, daßsich im Zug solcher Veränderungen ein neuerEinklang nicht von selbst ergibt. Architekten undStädteplaner müssen Hand in Hand arbeiten,sind wir Heutigen es doch der Vergangenheitschuldig, die von ihr geschaffenen Kleinodien zubewahren und zu schätzen, aber gleichzeitig müs-sen wir auch die Erfordernisse und Belangekünftiger Generationen in Rechnung stellen. Indieser Hinsicht kann Paris als richtungweisendgelten: Die Ausweitung der Hauptstadt nachWesten hin, zu der der Gartenbaumeister Lud-wigs XIV. mit der Schaffung der Tuilerien einstden ersten Schritt getan hat, gipfelt heute in derDéfense als einem von einem dänischen Archi-tekten erträumten Tor in die Zukunft, währendeiner seiner Kollegen, ein Amerikaner chinesi-schen Ursprungs, durch eine Zauberpyramideden Louvre in einzigartiger Weise in eine histo-rische Kontinuität eingefügt hat.Soviel zur geschichtlichen Kontinuität undzum Neuerungswillen der Hauptstadt. W7as nunStadtbild und Stadtplanung angeht, brauchteund braucht die Entwicklung einen sehr viellängeren Atem, denn um ein harmonisches Gan-zes zu schaffen, genügt es nicht, im Laufe derJahrhunderte eine eindrucksvolle Zahl prächti-ger Gebäude zu erstellen. Daß Paris weit mehr istals ein buntes Sammelsurium von Bauten ver-schiedener Stile und Epochen, verdankt es derTatsache, daß man sich schon seit alters auch umdie vom städtischen Leben erfüllten Freiflächengekümmert hat, um Straßen, Plätze und öffent-liche Anlagen. Städtebauliches Denken setztebereits mit der römischen Eroberung ein, und soist die heutige Rue Saint-Jacques die Nachfolge-rin des cardo, der einstigen Hauptachse des Stra-ßensystems des gallo-römischen Lutetia. Danachvergingen zwölf Jahrhunderte, bis Philipp II.August die Stadt mit einer neuen Mauer umzog,und weitere Stadtmauern folgten: Wo sich frü-her der Mauerring Karls V. erhob, verlaufenheute die Großen Boulevards.Im 16. Jahrhundert kamen städtebaulicheLink s oben: Die École Militaire und die Tour Montpar-nasse. Links unten der Pont des Arts und eme Fassadedes Louvre. Rechts oben: Detail-Ansicht des CentreBeaubourg.Folgende Doppelseite: Die Esplanade der Defense.Erwägungen wieder zu neuer Geltung, angefan-gen von der Bauordnung Ludwigs XII. bis zuden großen, die unregelmäßige mittelalterlicheStadtstruktur verändernden NeuschöpfungenHeinrichs IV. mit Bravourleistungen wie derPlace Dauphine, der Place Royale und dem PontNeuf, und gleichzeitig wurden die wichtigstenStraßen der Stadt begradigt. Vauban setzte dieUmgestaltung fort, indem er die Wälle in baum-bestandene Promenaden umwandelte, LudwigXV. ließ die spätere Place de la Concorde an-legen, und unter Napoleon wurde die städtischeInfrastruktur durch den Bau von Kanälen fürdie Wasserversorgung, durch neue Abwässer-kanäle und ähnliches verbessert, ein zwar wenigspektakuläres, aber für die Zukunft wichtigesUnterfangen, bereitete es doch den Boden fürdie großen städtebaulichen Maßnahmen Napo-leons III. und des Barons Haussmann.Das uns vertraute Gesicht von Paris ist immernoch durch die umfassenden Entrümpelungs-maßnahmen des Stadtpräfekten Napoleons III.bestimmt. Ihm verdanken wir das innerstädti-sche Hauptstraßennetz mit seinen Plätzen, dasohne Rücksicht auf den gewachsenen Baube-stand geschaffen wurde. Die zu jeder Weltaus-stellung erweiterte Pariser Stadtlandschaft ver-dankt also viel dem Zweiten Kaiserreich, an des-sen Ende die Hauptstadt wieder einmal ein glanz-volles Zentrum Europas war. Daß HaussmannsTabula-rasa-Methode manchen verlockenderschien, als an der Schwelle zum Jahr 2000 dieStadtplaner erneut in Aktion traten, ist nichterstaunlich, doch zum Glück hat man sich dafürentschieden, das Neue in die Kontinuität derLichterstadt einzubinden, nicht mit ihrer Ver-gangenheit zu brechen, sondern sie zu ver-jüngen.

Termékadatok

Cím: Schönes Paris 2000 [antikvár]
Szerző: Noel Graveline
Kiadó: Editions Minerva S. A.
Kötés: Fűzött kemény papírkötés
ISBN: 2830701232
Méret: 270 mm x 330 mm
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