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AUS DER GESCHICHTE TIROLS von EDUÁRD WIDMOSER Die Geschichte Tirols Iáik sich etwa 3000 Jahre zurückverfolgen. In der jüngeren Steinzeit drangen Angehörige der alpinen Rasse in das Bergland ein, und am Ende der Bronzezeit, im zweiten vorchristlichen Jahrtausend, liefien sich die Illyrer mit verschiedenenVölkerschaften im Gebiet des heutigen Tirol nieder. Im 4. Jahrhundert v. Chr. versuchten Kelten, die Alpentáler dieses Landes in Besitz zu nehmen, wurden jedodi abgewiesen. Nur in einigen Randgebieten konnten sie sich festsetzen. Tapfer sdilugen sich das illyrische und das keltische Volk 400 Jahre spáter, als Kaiser Augustus seinen Stiefsöhnen Drusus und Tiberius den Befehl gegeben hatte, das Bergland nördlich des Römischen Reiches zu erobern. Nur nach schweren Kampfen vermochten die sieggewohnten römischen Légionén über die Alpen bis an die Donau vorzustofien. Das eroberte Gebiet wurde zur römischen Provinz Rátien. Römische Soldaten, Handler und Kaufleute brachten die lateinische Sprache ins Land, die von der einheimischen Bevölkerung übernommen wurde. Die Ratoromanen der Schweiz und die Ladiner Tirols als unmittelbare Nachkommen jener Urbevölkerung sprechen noch heute eine dem Lateinischen verwandte Sprache. Mit der Völkerwanderung begannen auch für Tirol bewegte Zeiten. Fast 500 Jahre hatte Rom den Alpenraum beherrscht. Nun aber schickten sich germanische Hilfsvölker an, das Érbe des sterbenden römischen Imperiums zu übernehmen. Das italische Königreich Odoakers war der erste vergebliche Schritt auf dem Schicksalswege eines jungen Volkes, dem erst die Zukunft gehörte, aber auch der tragische Versuch des Westgotenkönigs Theoderich, den starren Formen der antiken Kultur noch einmal neues, blutvolles Leben einzugiefien, mifiglückte. Indessen kam die gewaltige Flutwelle der grófién Wanderung, die im Gefolge der asiatischen Reiterhorden Stamme und Völker auf der Flucht mitgerissen, verdrángt, hinweggespült oder vernichtet hatte, noch lange nicht zum Stillstand. Im 6. Jahrhundert n. Chr. drangen die Bajuwaren aus dem Alpenvorland in die inneren Gebirgstáler ein und liefien sich neben den Ratoromanen nieder. Gleichzeitig zogen vom Süden her die Langobarden bis gegen Bozen. Es gelang jedoch den Bajuwaren, ihren Siedlungsraum im Süden bis zur Salurner Klause vorzuschieben und im Osten die in den Wirren der Völkerwanderungszeit in das Pustertal eingewanderten Slawen zuriickzudrangen. Bereits im 8. Jahrhundert war somit Tirol der deutschen Sprache gewonnen. Wenigejahrhunderte spater genügte der vorhandeneLebensraum nicht mehr. Neuer Boden mufite gewonnen werden. So begann sich etwa seit dem 11. Jahrhundert das Volk im Gebirge an den höchsten und steilsten Hangén anzusiedeln. Unterstützt von Grundherren und Klöstern, führte es einen harten Kampf gegen die Naturgewalten. Walder wurden gerodet, Sümpfe und Moore urbar gemacht. Feuer, Axt, Sage und Pflug waren die Waffen bei dieser friedlichen Eroberung der Heimaterde, und am Ausgang des Mittelalters hatte sich der unverkennbare Charakter des Tiroler Landes und seiner bauerlichen Bewohner in allén wesentlichen Zügen bereits so fest geformt, wie wir ihn heute noch kennen. Im Jahre 962 zog der deutsche König Ottó der Grofie nach Rom, um aus den Handen des Papstes die römische Kaiserkrone zu empfangen und damit das von Kari dem Grófién gegründete Heilige Römische Reich zu erneuern. Tirol, im Hochmittelalter Land im Gebirge" genannt, wurde zur Brücke zwischen Deutschland und Italien und der Brenner die wichtigste Verbindungslinie der beiden grófién Reichsteile. Zur Sicherung der Italienzüge übertrug Kaiser Konrád II. im Jahre 1027 die Grafschaften im Inn-, Puster-