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Kein Russ über Schweinfurt
Seh ich solch einen ehernen Mann oder aus Stein gehaunen, der draussen sich nicht wehren kann vor Wind und Wetterlaunen, wie ihm der Bart vom Eise starrt und Schnee Ihm lrönt den Scheitel, so denk ich, solch ein Ruhm ist hart, und wer ihn wünscht, ist eitel. Bewahre Gott vor solchem mich, daß ich zu Tode frieren mich müßt im Tod und jämmerlich ein ödes Plätzchen zieren." Inmitten der Altstadt, schon mehr einem Autobahnknotenpunkt als einem „öden Plätzchen" ähnlich, kostet es Mut und einige grüne Ampeln, um endlich dem Herrn von vorhin, den Gott nicht bewahrt hat, in Bronze zu erstarren, die Reverenz des Fremden zu erweisen. Er hält das Heft fest in der Hand, dem Aussehen nach wohl nicht die „Weisheit des Brahmanen", aber vielleicht die augenblickliche Marktordnung. Denn in seinem Rücken tummeln sich die Stände der Blumen- und Gemüsehändler.
Dabei dürfte der Herr auf hohem Thron ein strenger Wächter sein, denn er liebte keine faulen Äpfel, wie der Kollege Schiller. Seine Anschrift steht am Sockel: Friedrich Rückert. Und es sei hinzugefügt: Schwein-furts berühmter Dichtersohn, der dort oben, mürrisch in den Stuhl zurückgeworfen, die eigenen dunklen Prophezeiungen an sich erduldet. Vielleicht wäre im Dutzend das Dasein angenehmer, denn das Rund des Marktplatzes könnte weiteren „ehernen Männern" Gelegenheit bieten, von denen es noch etliche gibt: Gregor Heimburg, Konrad Celtis, Johann Cusplnianus, Laurenzius Bausch, Wilhelm Sattler, Philipp Moritz und Friedrich Fischer, Wilhelm Höpflinger, Ernst Sachs und andere. Doch wäre ein solches „Schattenkabinett" den Stadtvätern vor den Fenstern ihres Rathauses sicher unheimlich.
Historischer Boden wächst langsam, und um die Wurzeln der Stadt abzugraben, muß man hinunter bis ins achte Jahrhundert. Zuvor waren schon die Franken aufgetaucht und hatten eine Siedlung errichtet. Und um die Deuterei des merkwürdigen Namens Schweinfurt, der dem Dichter Rückert nicht gefiel und der lieber von Main- oder Weinfurt redete, kommt man nicht herum.
Die zweite Silbe -furt ist einfach zu erklären: Eine seichte Stelle des Stroms und viele Beine, die da durchwateten. Das Wort Schwein soll sich aus dem altfränkischen swin, was soviel wie Sumpf ist, entwickelt haben. Das ist aber auch die einzige Beziehung des Stadtnamens zum gleichlautenden Borstenvieh. Denn bestimmt war der Name Schweinfurt von Anfang an ein Wohlklang. Der deutsche König Wilhelm von Holland bezeugte durch einen Brief 1254 an den Würzburger Bischof Hermann die Reichsfreiheit.