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München ist noch lícine alte Stadt, wenngleich es bereits seinen achthundertsten Geburtstag feiern iconnte. Wenn man zur Zeit seiner Gründung mit einem Flugzeug die Bayerische Hochebene hätte überfliegen können, hätte man an deren Grenzen im Westen, Norden und Osten drei Städte gesehen, die damals bereits auf eine etwa tausendjährige Geschichte zurückschauten, Augsburg am Lech, Regensburg a. d. Donau, Salzburg a. d. Salzach: städtische Siedlungen aus der Römerzeit. In der Mitte, an der Isar, hätte man auf seiner Höhe Freising aufleuchten sehen, einen bajuwarischen Bischofssitz, auch schon seit über 400 Jahren. Südlich davon, am selben ungebändigten grünen Gebirgsfluß, aber hätte man im Umkreis nur einige friedliche Dörfer entdeckt, Sendling, Schwabing, Giesing, und in ihrer Mitte, auf der Schotterstufe des Petersbergls, neben einer Siedlung des alten Klosters Tegernsee mit einer stattlichen romanischen Peterskirche, eine junge Trutzburg Herzog Heinrichs des Löwen, bald von einer ummauerten Marktsiedlung umgeben, längs der gewaltsam verlegten Salzstraße, erst 45 Tagwerk im ganzen - bei den Mönchen (Munichen) war ihr Name. Man kann sie noch jetzt auf jedem Stadtplan als seltsam gedrängten eiförmigen Kern Münchens erkennen.Wenn man heute vom Turm der Peterskirche, die sich auf den Fundamenten jener klösterlichen Urzelle Münchens erhebt, den Blick rundum schweifen läßt, so ertrinkt er fast in einem Häusermeer, das über 30000 Hektar bedeckt. Die alten bäuerlichen Dörfer, die einst in weitem Kreis die Stadt umgaben, sind längst von ihr verschlungen. Ihre Bevölkerung hat im Jahre 1958 eine Million überschritten und wächst seitdem jährlich um 30000 Seelen. Seit einem halben Menschenalter ist sie zu einer großen modernen Industriestadt geworden. Von welcher Richtung man sich ihr nähert, ragen in ihrer Silhouette neben den vertrauten Türmen und Kuppeln neue Umrisse in den Himmel, Hochbauten in Stahlfachwerk, Verwaltungstürme, mächtige Heizwerke, Industriesiedlungen, Wohnblöcke. Im Norden, auf der einstigen Garchinger Heide, empfängt den Besucher eine eigenartige Aluminiumkuppel, vom Volksmund kurzweg das Atom-ei genannt: denn es ist der Atomreaktor des neuesten, großartigsten und unheimlichsten Forschungsgebietes der Menschheit.Aber wenn der Föhnwind über die Ebene weht, dann leuchtet hinter der heutigen Millionenstadt wie einst hinter dem schmalen Mauerring bei den Mönchen, über Wälder und Seen in durchsichtig klarer Luft sehnsuchterweckend die lange Kette der Alpen auf, als gehörten ihre Gipfel und Kuppen mit zum Umriß dieser Stadt, die sich strahlend ausbreitet unter dem tiefblauen Himmel mit hellen weißen Wolkenfahnen.Wer möchte sich vermessen, das jahrhundertelange Werden und Wachsen eines solchen Gemeinwesens auf wenigen Seiten auch nur andeutend zu umreißen! Seine Geschichte roUt sich vor uns ab wie ein bunter, endloser Bildstreifen mit tausend und aber tausend Schildereien, Begebnissen, Gestalten - Vergangenes,