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Auf dem InselsbergDer Thüringer Wald zählt zu den berühmtesten deutschen Gebirgen, obwohl er kein Massiv mit aufragenden Tausendern und überwältigenden Formen ist. Nur der Große Inselsberg erhebt sich prächtig und markant über die anderen Höhenzüge. Keiner der Bergrücken erreicht die Tausendmetergrenze; ihre Erhebungen wurden im Laufe der Jahrtausende eingeebnet, abgetragen von Wind und Wasser. Deshalb wirkt das Gebirge nie gewaltig und selten einmal düster. Goethe erschien die Silhouette des Thüringer Waldes als die reizendste...
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Auf dem InselsbergDer Thüringer Wald zählt zu den berühmtesten deutschen Gebirgen, obwohl er kein Massiv mit aufragenden Tausendern und überwältigenden Formen ist. Nur der Große Inselsberg erhebt sich prächtig und markant über die anderen Höhenzüge. Keiner der Bergrücken erreicht die Tausendmetergrenze; ihre Erhebungen wurden im Laufe der Jahrtausende eingeebnet, abgetragen von Wind und Wasser. Deshalb wirkt das Gebirge nie gewaltig und selten einmal düster. Goethe erschien die Silhouette des Thüringer Waldes als die reizendste und ausdrucksvollste der ihm bekannten deutschen Mittelgebirge. Er hat ihr denn auch eine der schönsten Zeilen gewidmet, die jemals über ein Mittelgebirge gedichtet wurden: Uber allen Gipfeln ist Ruh' Sie hätte in keiner Schutzhütte der Alpen, die er auf seiner italienischen Reise überquerte, so geschrieben werden können. Sie konnte wohl nur auf dem Kickelhahn über Ilmenau entstehen, wo Goethe sich gern aufhielt. Schon auf der Vorüberfahrt in der Ebene kann man den Inselsberg erblicken. Etwa zwischen Erfurt und Gotha, wo die Bahnlinie nach Wandersleben zu einen südlichen Bogen beschreibt, da kommt, vom Zuge aus sichtbar, linker Hand der Thüringer Wald hervor. Wenn er dann nicht im Dunst liegt oder an einem spiegelglatten Morgen in allzu weite Ferne gerückt ist, kann man die Wölbung des Inselsberges mit seinem Gipfelturm sich abzeichnen sehen.Jeden Besucher des Thüringer Waldes lockt dieser Berg an. Mit seinen 916 Metern ist er nicht der höchste Berg, Schneekopf und Großer Beerberg sind einige Meter höher. Aber kein zweiter weit und breit ragt aus dem Kammzug des Gebirges so einzeln heraus wie dieser porphyrische Hartkopf, der den Abtragungskräften besser standhielt als die Granitberge. Der Fernsehturm auf dem Gipfel wirkt wie ein Leuchtturm auf einer Insel im grünen Meer des Waldes. Aus allen Himmelsrichtungen führen Wege zu ihm hin, Autostraßen und Wanderpfade, auf denen das ganze Jahr über der Zustrom der Reisenden, Urlauber und Sportler anhält. Und zu allen Jahreszeiten lädt der Berg ein. Im Frühjahr liegt er dunkel, vollgesogen mit Schmelzwasser, da, und nur zögernderobert das Grün die Höhe. Im Sommer quillt er über von den wuchernden Laubkronen, die sich in den Nadelwald mischen; und es scheint, als glühe er von innen heraus, wenn er im Herbst in klarer Luft vor uns liegt. Im Winter wölbt er sich unter dem rauchigen Frosthimmel wie Zinn. Wie auch der Berg sein Kleid wechselt, immer behält er das vertraute Gesicht. Die Anmarschwege münden zunächst in die Buchenwälder, die den Berg sockelartig umgeben. Aber bald läßt er spüren, was für ein Mittelgebirgsriese er ist! Steile Anstiege und Serpentinen führen zur halben Höhe, wo auf der Grenzwiese Lungen und Motoren verschnaufen können. Dann wird das Gelände steiniger. Nadelwald breitet sich aus. Ein Bergwind kommt auf. In den Baumkronen rauscht es. Auch das flimmernde Licht zwischen den Stämmen zeigt die Nähe des Gipfels an. Noch eine letzte Kehre durch den Wald, da liegt auch schon das Plateau, und der Wind verfängt sich im offenen Mantel wie in einer Fahne.Für den Blick eine Welt ohne Grenzen! Nach allen Seiten Berge, und wo das Auge noch eben meinte, den fernsten Horizont erschaut zu haben, kommt dahinter blaßblau ein weiterer zum Vorschein. Es dauert seine gute Minute, bis man dieses ersten überwältigenden Staunens Herr geworden ist und wieder zu Details und Begriffen zurückfindet. Dann ordnet man die Erde wieder in Gebirge und Ebenen, die Namen tragen, in Nähe und Ferne, entdeckt vertraute Geländepunkte, macht Sonnenstand und Himmelsrichtung aus, um sich zu orientieren.Blickt man nach Norden, verliert sich der Thüringer Wald in vielen Hangstufen und Waldzungen in das Tiefland des Thüringer Beckens hinein. Gotha liegt ausgebreitet und, nicht sehr entfernt in der Ebene, weit dahinter der Kyffhäuser, ein Stück weiter rechts Erfurts Domtürme, aber sie kommen nur an klaren Tagen heraus. Die Höhen des Unteren Harzes bilden die Nordschranke des Horizontes.Im Westen und Süden schneidet das Tal der Werra die Gebirgslandschaft ab. Den Fluß selbst sieht man nicht, aber man meint den atmosphärischen Schleier über seinem Talverlauf zu erkennen. Und über diesem Schleier erheben sich die Höhen der Rhön, und die winzige kaum

Termékadatok

Cím: Thüringer Wald [antikvár]
Szerző: Lothar Kempe
Kiadó: VEB F.A. Brockhaus Verlag
Kötés: Félvászon
Méret: 190 mm x 230 mm
Lothar Kempe művei
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