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So lebt Oto San in TokioDie Grenze zwischen dem alten und dem neuen Japan ist eine Wäscherei, an deren vom Brodem blinde Scheiben der Regen schlägt. Jeden Abend dreht sich Oto San nach der kleinen Wäscherei um und wirft einen verstohlenen Blick auf die Schattengestalten, die sich drinnen bewegen. Dann verläßt er die im Regen doppelt so groß erscheinenden Lichter der Straße Koshukaido und taucht in die Dunkelheit einer Gasse ein, die keinen Namen trägt. Der Feuerwehrturm wirft seinen Schatten wie ein schwarzes Filigran auf die Dächer. Hier und da schimmert auf dem feuchten Laub das Licht einer Laterne. Die hölzernen Sohlen der Getas klappern am Straßenrand, Schatten eilen im Dunkel vorbei und murmeln Kubu wa, was Guten Abend bedeutet. Oto San überquert eine kleine Brücke, unter der ein träger Bach fließt. Wenn er noch ein paar Schritte weiterginge, an dem kleinen buddhistischen Tempel vorbei, der so gute Nachbarschaft mit einem Shintoportal hält, befände er sich in einem Reisfeld. Das heißt durchaus nicht, daß er außerhalb der Stadtgrenze von Tokio wohnte. Sein Viertel, Sugiwami, ist eines der dreiundzwanzig Kus, die den Stadtkern der Metropole bilden und von denen manche soviel Einwohner haben wie München. Außerhalb davon liegen noch neun Vororte und drei städtische Zonen: Groß-Tokio aber schließt noch sieben Inseln ein, deren entfernteste dreihundert Kilometer weit liegt. Wolkenkratzer und Hütten, Stahltürme und Tempel, Gärten und Felder formen das ungefüge Gebilde, das mit seinen fast neun Millionen Einwohnern die größte Stadt der Welt ist. Die Werft, wo Oto San gegenwärtig arbeitet, befindet sich in der Nähe des Bahnhofs Akihabara, nicht weit von dem Sumida-Fluß entfernt, dessen Mündung den Hafen von Tokio bildet. Oto Sans Büro ist ein Dutzend Kilometer5