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Tropenland Kolumbien [antikvár]

Erich Arendt

 
ZU DEN BILDERN Südamerika- der erste ZusammenstoB mit diesem Kontinent erschüttert: Nackt, wie abgeháutet liegen die von einer gnadenlosen Sonne versengten Érden La Guairas da (Bild 1). Gigantischen Muskelstrángen eines Urwelttieres gleich, strecken sich die rőten, brandigen Hánge in die hartglitzernden Fluten des Karibischen Meeres, aus dem die Flossen der Haie scharf und drohend stehen, fliegende Fische meerschwalbenhaft aufschwirren. Holzhütten, Lehmbaracken, trostlose Hausungen klammern sich an die schroffen Wánde der Berge....
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ZU DEN BILDERN Südamerika- der erste ZusammenstoB mit diesem Kontinent erschüttert: Nackt, wie abgeháutet liegen die von einer gnadenlosen Sonne versengten Érden La Guairas da (Bild 1). Gigantischen Muskelstrángen eines Urwelttieres gleich, strecken sich die rőten, brandigen Hánge in die hartglitzernden Fluten des Karibischen Meeres, aus dem die Flossen der Haie scharf und drohend stehen, fliegende Fische meerschwalbenhaft aufschwirren. Holzhütten, Lehmbaracken, trostlose Hausungen klammern sich an die schroffen Wánde der Berge. Spürbar, über Hunderte Meter hin, ist der Zerfall, den keine Menschenhand aufhált. Erde wie glühende Asche. Auf ihr lebt der Mensch - ausgeliefert den Tropen - in einem sichtbar erschreckenden Dasein. Eine Landzunge trágteine Leprastation; von der unheimlichen Seuche befallen, verfault das Fleisch Tausender. Ein Kontinent zeigt unverhüllt seine Wildheit und Menschenfeindschaft. Unter steiler, schattenloser Sonne liegen die Lander, die in den Stromtalern, Küstenstredfen und Niederungen brodeln und glühen, in den Andenhöhen aber und auf unabsehbaren Hochplateaus unter dem Eishauch der Bergwinde und Schneegipfel erstarren. So auch Kolumbien mit seiner gegensátzlichen Landschaftsstruktur, gegensatzlicher als irgendein Land unserer Breiten. Bis zu sechstausend Meter ragén die drei Cordillerenzüge auf, die das Land von Süden nach Norden durchschneiden. Sie tragen majestátische Wolkenkronen oder durchbrechen die dichten Wolkenschichten, die von Urwáldern, Sümpfen und Lagunen ausgedünstet werden. Ewiger Schnee liegt auf den zerrissenen Graten und auf den traumhaft leuchtenden Kegeln der Vulkáné, die vor dem Auge, wenn man noch so fern von ihnen im Gebirge aufsteigt, mafilos in den Himmel wachsen, als stünden sie nahe über einem. Dichte Schneekappen decken auch die Gipfel der Sierra Nevada, deren Felsenmassiv nahe am Karibischen Meer aus tropischer Fruchtbarkeit aufschieBt wie eine zyklopische Planeteninsel. Auf öden Páramos, kahlen Hochebenen, und grauem, windbeherrschtem Bergland leben noch zwischen 3000 und 4500 Meter Höhe Menschen in der herzantreibenden, dünnen Luft. Fünfzigtausend záhlt man in Kolumbien. Um ihre Behausungen ist nichts als Geröll und dürftiges Erdreich, mit Hartgrásern bestanden und FrailejonesGewáchsen, die in diesen wolkenverdüsterten Einöden geisterhaft dastehen (46, 100). Unterhalb der Páramos reicht bis zu 2000 Meter über dem Meer die tierra fria, die Kalte Zone, hinab, bereits von drei Millionen Menschen besiedelt. Hier, unter noch milder áquatorialer Sonne, wachsen dichte, ausgedehnte Bergurwálder, reifen Getreide, Mais, Kartoffeln, europáische Früchte - Ápfel, Kirschen, Erdbeeren - und tropische schon, in geschützten Bergkesseln Orangen. Am Rand einer gewaltigen Hochebene, an eine Steilwand der Zentralcordillere sich lehnend, streckt sich lang und schmal Bogotá hin, die Hauptstadt mit über einer Millión Einwohnern, in 2600 Meter Höhe. Ein immer milder Frühherbst mit Rosen, die das ganze Jahr hindurch blühen, mithartrauschendenEukalypten, Palmen und zarten Mimosen régiért die Stadt. Die gröBte Bevölkerungszahl mit viereinhalb Millionen Bewohnern vereint in ihrem lebenfördernden, angenehmen Bereich die GemáBigte Zone, die tierra templada, zwischen 1000 und 2000 Meter über dem Meere (104). Reich gedeihen hier die rein tropischen Gewáchse wie Kaffee, Zuckerrohr, Bananen, Roblesbáume und Kokospalmen (116, 117, 120). In dieses Gebiet reichen bis zu 1300 Meter aus den Niederungen die feuchtheiBen Regenwálder hinauf. Die eigentlichen Tropen, die tierra caliente, das HeiBe Land, mit einer Jahresdurchschnitt-Temperatur von 28 bis 30 Grad Celsius, erstrecken sich von den Sockeln der Andenzüge nach Osten, Norden und Westen den Küsten zu, bewohnt von zwei Millionen Menschen. Die breiten FluBtáler des Magdaléna (63), des Cauca (127), riesige Steppengebiete, Weidefláchen, Sandwüsten, fruchtbares Schwemmland, Lagunenketten, Sümpfe und undurchdringliche Urwaldmassen mit Fieberrinden-, Cambulobáumen, Kokospalmen, Schlinggewáchsen, Mangrovén, Orchideen und zahllosen noch unentdeckten Pflanzen geben der HeiBen Zone ihre Vielgesichtigkeit. Das Gebiet Kolumbiens würde - nach Európa übertragen - von der Weichsel bis an den Atlantischen Ozean, von der Nord- und Ostsee bis an das Mittelmeergestade reichen. Mit seinen elf Millionen Einwohnern gehört es zu den dünn besiedelten Lándern unserer Erde. Riesengebiete - Urwaldtiefen, sonnenverheerte Steppen (95), unfruchtbare Gebirgssavannen (101), andinisches Felsgewirr - sind vollkommen mensclienleer. Im Durchschnitt wohnen auf einem Quadratkilometer neun Menschen, und tagelang kann man über Hügelwellen und Grasfláchen reiten, ohne eine Hütte zu sehen oder ein Lebewesen. Nur endlose Weiten, leere Ráume.

Termékadatok

Cím: Tropenland Kolumbien [antikvár]
Szerző: Erich Arendt
Kiadó: VEB F. A. Brockhaus Verlag
Kötés: Vászon
Méret: 230 mm x 300 mm
Erich Arendt művei
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