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UNGARN
Nach jahrhundertelanger Wanderung erreichte das ungarische Volk 896 seine heutige Heimat im Karpatenbecken. Früher lebten bereits mehrere andere Völker in diesem ' Gebiet, die ähnlich wie die Ungarn eine nomadisierende Lebensweise führten. Sie wurden aber alle von den Stürmen der Geschichte hinweggefegt. Das Volk der Ungarn war das einzige, dem es in diesem Raum gelang, eine richtige Heimat zu finden und einen Staat zu gründen. Entscheidend war dabei die Erkenntnis, daß man sich als Volk und Staat nur behaupten könne, wenn es keine Konfrontation mit Europa gebe, sondern eine Integration. Von diesem Gedanken wurden Fürst Géza und sein Sohn, der heilige Stephan I. wie auch ihre Nachfolger geleitet, als sie die Souveränität des Staates Ungarn jahrhundertelang bewahrten. Außerdem waren sie bestrebt, möglichst viel von Europa zu übernehmen, ohne allerdings die Selbständigkeit des Landes zu gefährden. Im Mittelalter wurde das Königreich Ungarn eine Großmacht der Region, die im 16. Jahrhundert der Expansion des Osmanischen Reiches zum Opfer fiel. 150 Jahre Kriegsschauplatz zerstörten die Wirtschaft, dezimierten die Bevölkerung und warfen die Entwicklung zurück.
Nach der Befreiung von der Türkenherrschaft wurde Ungarn ins Habsburgerreich eingegliedert und seine freie Entfaltung durch die Großmachtpolitik des Wiener Hofes behindert. Die Besten des politischen und geistigen Lebens in Ungarn erkannten diesen Umstand und setzten sich zum Ziel, die bürgerliche, konstitutionelle Selbständigkeit Ungarns innerhalb des Habsburgerreiches zu erringen. Das Aufeinanderprallen der Interessen führte zur Revolution und zum Freiheitskampf von 1848-1849, der hier am längsten in Europa währte und nur mit den vereinten Kräften der beiden Großmächte, Österreichs und Rußlands, niedergeworfen werden konnte. Nach dem Ausgleich Ungarns mit dem Haus Habsburg im Jahr 1867 entfaltete sich in Ungarn eine rasante Entwicklung in Wirtschaft und Kultur, in den Wissenschaften wie auch den Künsten. Dem Aufschwung setzte der Erste Weltkrieg ein Ende, doch sogar dem geschrumpften Ungarn, das zwei Drittel seinerTerritorien und ein Drittel seiner Bevölkerung eingebüßt hatte, verblieben noch Lebenskräfte. Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges gelangte auch Ungarn in die Interessensphäre der Sowjetunion, die es trotz allem nicht schaffte, das Land umzuformen. Dies bezeugte die Revolution von 1956, die das erste große Fiasko des kommunistischen Weltsystems darstellte.
Nach der Wende im Jahr 1990 konnte Ungarn endlich auf den europäischen Entwicklungsweg zurückkehren, von dem es durch die Katastrophen des 20. Jahrhunderts so oft abgebracht worden war. Mit Recht kann das Land heute stolz auf seine Leistung sein, die selbständige Staatlichkeit und die spezifische ungarische Kultur bewahrt zu haben, mit der das Land zum Kulturerbe Europas beigetragen hat.