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Ein Weinkeller in Rust
Also in den Keller? Der Mann, der das fragte, war gewiß weit über fünfzig, vielleicht auch knapp über sechzig. Es war schwer, sein Alter zu erraten. Wein konserviert den Gesunden; der gleiche Wein kann den Schwächlichen ruinieren; Gesundheit und Schwäche sind aber meistens nur die letzten Konsequenzen und begreifbarsten Ausformungen ganz bestimmter persönlicher Konstellationen, die wir selbst verschuldet haben. Oder errungen. So hat die Wirkung des Weines eine tiefere Bedeutung. Sie vermag Geheimnisse zu lüften. Kein Wunder, wenn man den Göttern von jeher Weinopfer dargebracht hat. Auch Böcke wurden ja geopfert, Symbole des triebhaften Pan oder wenigstens seines Anteils an unserer Seele. Der Mann stand im matten Licht des Herbstnachmittages im Hof seines Hauses, in Rust. Schwächlich wirkte er nicht. Er stand etwas schief, eine schlanke Gestalt, knorrig und zäh, ein listiges Licht in den Augen. Diese: hellblau im braungebrannten Gesicht. Ein Mann, der etwas aushielt, unberechenbar im Geben, geduldig im Nehmen, aber nicht statisch, nein, eher recht lebhaft: mit den elementaren Vorgängen des Lebens verbunden. Wenn man ihn ansah, mußte man an Wurzelwerk denken und an gutes Leder. Auch an das Leder einer Peitsche.