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Veszprém im Spiegel der Jahrhunderte
Wenn Besucher von Győr aus in Richtung Balaton durch das bewaldete Bakonygebirge nach Veszprém fahren, erreichen sie schließlich die nach der Stadt benannte Hochebene und dann sie selbst. Schon von der Anhöhe oberhalb von Gyulafirátót aus öffnet sich ihnen ein imposantes Panorama: Der Ring der Dörfer, die um die Stadt liegen, der historische Stadtkern mit dem gewaltigen Gebäudekomplex des Burgberges und die weiter außerhalb erbauten modernen Wohnsiedlungen. Dieser Anblick wird noch abwechslungsreicher durch die ins Auge fallenden Sommerhäuser und Obstgärten auf dem Csatár-Berg, Felswände, die sich aus dem Tal des Séd-Baches erheben, etwas weiter durch Fichten- und Zerr-Eichenwälder, kahle Dolomitflächen und Getreidefelder.
Bei der Wahrnehmung dieser natürlichen Voraussetzungen könnten sie sich zu Recht fragen, aus welchem Grunde gerade hier im Mittelalter schon eine Stadt entstand. Die Sozialgeographie gibt darauf unter anderem folgende Antwort:
Die „Potentialenergie" der zwischen dem Balaton und dem Bakonygebirge gelegenen Hochebene von Veszprém beruht auf dem Umstand, daß hier drei kleine, aber unterschiedliche Landschaftsformen aufeinander treffen: Das an Baumaterial und Mineralien reiche Bergland, das für seinen Wein- und Obstanbau berühmte Balaton-Oberland sowie die „Mezőföld" genannte fruchtbare Ebene. Diese besonderen geologischen Gegebenheiten haben mit ermöglicht, daß Veszprém sich zu einem wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zentrum der Region entwickeln konnte.
Die landnehmenden ungarischen Stämme eroberten im Jahre 900 unter Führung ihres Fürsten Árpád Pannonién und siedelten sich in der Folgezeit vor allem entlang der Flüsse an. Veszprém, das wegen seiner schon vorhandenen Erdburg strategische Bedeutung besaß, und sein Umland bis hin zur Donau nahm Árpáds Sohn Jutas in Besitz. Auch im 10. Jahrhundert blieb die Burg Stammeseigentum, bis Fürst Géza (ca. 979-997) sie seiner Frau Sarolt zur Hofhaltung gab. Er war es auch, der mit dem Aufbau eines Staatsgefüges und einer christlichen Kirchenorganisation begann. Auf sein Ersuchen hin kam nach 972 der aus St. Gallen stammende Mönch Bruno als erster Bischof der römischen Kirche nach Ungarn, um die Bekehrung der Bevölkerung durchzuführen. Vermutlich hielt er sich auch am Hof der Fürstin Sarolt in Veszprém auf.
Stephan, Gézas Sohn, konnte erst nach seinem Sieg 997 bei Veszprém über den auch den Fürstenthron fordernden Koppány die Alleinherrschaft antreten. An Weihnachten des Jahres 1000 wurde er dann zum ersten ungarischen König gekrönt. Während seiner Regierungszeit (bis 1038) erhob er das schon vorher traditionsreiche Veszprém zum königlichen Burgkomitat und ersten Bischofssitz Ungarns. Sicher ist, daß eine nach dem hl. Michael benannte Kirche schon im Jahre 1002 existierte. Die Grenzen des Bistums und seine Besitzungen wurden in einem Schenkungsbrief aus dem Jahr 1009 festgehalten. Nach diesem umfaßte das Gebiet der Diözese Veszprém insgesamt vier Burgen mit ihren dazugehörenden Komitaten (Veszprém, Fehér, Kolon und Visegrád). Im christlichen Bekehrungswerk spielten neben dem Bistum die in unmittelbarer Umgebung liegenden Benediktinerabteien von Bakonybél (ab 1018) und Tihany (ab 1055) eine Rolle.
Wie es in der Großen Legende Stephans des Heiligen heißt, hat die dem bayerischen Herzogshaus entstammen-