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Auf der Insel der
Freiheit
Viele Stationen kennt der offizielle Freundschaftsbesuch der von Erich Honecker, Generalsekretär des Zentralkomitees der SED und Vorsitzender des Staatsrates, geleiteten Partei- und Staatsdelegation der DDR in Kuba. Auf dem Flughafen zur Begrüßung angetreten die Ehrenformation der kubanischen Volksarmee: Das sind nun schon die Söhne der Sieger von Playa Girón. Auf den Straßen der Hauptstadt Hunderttausende von Habaneros; Ein Spalier der Freundschaft.
Dann Cienfuegos! Die Hafenstadt an der Karibikküste erlebt an einem der letzten Maitage 1980 einen Höhepunkt deutschkubanischer Freundschaft. Das Bild der Stadt spiegelt den großen geschichtlichen Wandel wider. Gegenüber der alten Burg Jagua, die von den Spaniern errichtet worden ist, liegt das industrielle Zentrum von Cienfuegos als neues Wahrzeichen in malerischer Bucht.
Im 18. und 19. Jahrhundert waren in dieser Bucht die in Afrika geraubten Sklaven an Land gebracht, die Familien zerrissen, zur Arbeit aufgeteilt und verkauft worden. Die Enkel der Sklaven haben Besitz ergriffen von dem Land, das sie zu bearbeiten hatten, mitgeschrieben an der Geschichte Kubas, das zum ersten freien Territorium Amerikas geworden ist. An diesem Maitag 1980 weihen sie gemeinsam mit den Enkeln von Marx, der über die Schande der Sklaverei schrieb, das Zementwerk ,,Karl Marx" ein, das größte in Lateinamerika. So führt der Sozialismus heute in Kuba den Kampf um Zement, um
Wohnungen, um das bessere Wohlbefinden. Cienfuegos bedeutet „hundert Feuer", und wie hundert Feuer strahlt Kuba nach Lateinamerika aus.
Dann die bewegenden Begegnungen auf der Insel der Jugend. Die Insel hat in der Geschichte oft ihren Namen gewechselt: Seeräuberinsel, Paradiesinsel, Pinieninsel. Die Unterdrücker des kubanischen Volkes machten aus dem Eiland eine Verbannungsinsel. Im sogenannten Presidio Modelo, dem „Modellgefängnis" der Batista-Diktatur, war auch Fidel Castro eingekerkert. Er zeigt seinem Freund und Kampfgefährten Erich Honecker, der von einem 12 Flugstunden entfernten Kontinent gekommen ist, die Zelle, in der er viele Monate zubringen mußte, und sagt: „Du weißt, wie das ist " Bittere Erinnerung an gleichartige Erfahrungen, gemeinsamer Triumph von Siegern der Geschichte in der Karibik und an der Elbe.
Die Kinder Kubas lebten vor der Befreiung im Elend, wie jene in Chile oder in Guatemala oder anderswo auf dem Kontinent. Wie weit liegt das heute zurück! Aber Kuba hat nicht vergessen. Mit den Kindern Kubas leben und lernen Kinder Afrikas und Lateinamerikas auf der Insel der Jugend, auch zweihundert Waisenkinder aus Angola, Kinder aus Nikaragua, Mopambique, Äthiopien. Erich Honecker, im Gespräch mit ihnen, erzählt von Äthiopien, wo er ein Jahr zuvor gewesen war. So wird die weite Brücke der internationalistischen Solidarität sichtbar, die unsere Parteien, Staaten und Völker verbindet.
Die Jugend Kubas hat — einem Aufruf Fidel Castros folgend — die Insel in ihre Obhut genommen, große Zitrusplantagen angelegt und dabei in der großen kubanischen Jugendinitiative Erfahrung und Stählung gewonnen. So ist die Insel der Jugend zugleich auch eine Schatzinsel der Jugend.
Die Gespräche zwischen Erich Honecker und Fidel Castro, die in Havanna begonnen wurden, werden an der Karibikküste fortgesetzt. Auch Stunden der Erholung nach einem anstrengenden Programm in tropischer Sonne wie in Cienfuegos, wie auf der Insel der Jugend, gehören dazu. In den Begegnungen vertieft sich die persönliche Freundschaft zweier Männer, die seit Jahren an der Spitze des Kampfes ihrer Völker stehen und die Gelegenheit wahrnehmen, über den weiteren, erfolgreichen, gemeinsamen Weg zu beraten, wie er nunmehr im