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Alles begann mit einer Wegkreuzung und einer Furt. Esgabsie, lange bevor auf dem hohen Weichselufer die ersten Háuser der Stadt standén. Einen dieser Wege, der heute kurz E 70 heiBt, zogen schon vor eineinhalbtausend Jahren Kaufmannskarawanen aus Südeuropa entlang, um von der Ostseeküste den Bernstein zu holen, den Roms elegante Damenwelt so schatzte. An der Furt (u jazdu", wie es im Altpolnischen hieB und wovon der Name U jazdów stammt) wurde eine Wehrburg errichtet, um den FluBübergang zu sichern. Wie die alte Verteidigungsanlage...
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Alles begann mit einer Wegkreuzung und einer Furt. Esgabsie, lange bevor auf dem hohen Weichselufer die ersten Háuser der Stadt standén. Einen dieser Wege, der heute kurz E 70 heiBt, zogen schon vor eineinhalbtausend Jahren Kaufmannskarawanen aus Südeuropa entlang, um von der Ostseeküste den Bernstein zu holen, den Roms elegante Damenwelt so schatzte. An der Furt (u jazdu", wie es im Altpolnischen hieB und wovon der Name U jazdów stammt) wurde eine Wehrburg errichtet, um den FluBübergang zu sichern. Wie die alte Verteidigungsanlage aussah, wissen wir nicht. Vor über 700 Jahren, in der Johannisnacht 1262, wurde sie von kriegerischen Stámmen der baltischen Jatwingen erobert und eingeaschert. Die Niederlage war empfindlich: Der masowische Herzog Siemowit I. fiel im Kampf, und sein elfjáhriger Sohn Konrád geriet in Gefangenschaft. Wer weiB, ob hier nicht das landláufige Sprichwort:,,Durch Schaden wird der Pole klug" seinen Ursprung hat. Jedenfalls war man danach eif rig bemüht, für die Burg einen neuen Standort auszusuchen, der sich besser verteidigen lieB; man fand ihn in der Náhe eines anderen FIuBübergangs, vier Kilometer weiter nördlich. Neben der Burg wurde eine Stadt errichtet, die man Warszawa nannte. Wann das war, wissen wir nicht genau. Die Handfeste kam sogleich abhanden. Woanders hatte man daraus ein Problem gemacht, nicht so in Warschau. Hier lebte von Anfang an,,,schon immer" ein nonchalanter Menschenschlag, dem schriftliche Dokumente keine besondere Achtung abnötigten. Seitdem sind über 700 Jahre vergangen und viel Wasser ist die Weichsel hinuntergeflossen. Die Stadt wuchs, entwickelte sich, stieg auf und übernahm standig neue Funktionen; doch eines blieb stets unverándert: Bis heute ist Polens Hauptstadt, im Herzen des europáischen Kontinents gelegen, ein wichtiger internationaler Verkehrsknotenpunkt. Blicken wir auf die Karte: Hier trifft die E 7 (aus Rom und Wien) auf die E 8 (aus London über Rotterdam und Berlin nach Moskau); hier kreuzt die E 81 die E 12 (aus Leningrád nach Prag, Nürnberg und Paris). Die erste gediegene Stadtbeschreibung stammt vom Anfang des 14. Jh. - genau aus dem Jahre 1338 - und wurde von zwei pápstlichen Nuntien verfaBt, von Galhard de Chartres und Petrus, Sohn des Gervasius, Kanoniker aus Annecy, die Papst Benedikt XII. aus Avignon hierher geschickt hatte. Ihnen war die Erkundung dieser Stadt aufgetragen worden, die soeben als geeigneter Verhándlungsort für einen internationalen ProzeB empfohlen worden war, deren Name aber nicht gerade zu den geláufigsten in Európa gehörte. Da die pápstlichen Gesandten ein positives Votum abgaben, wurde am 4. Február 1339 im Haus des Burgvogts Bartfomiej am Markt in Alt-Warschau das Gerichtsverfahren eröffnet. Das Urteil wurde am 15. September desselben Jahres in St. Johannes verlesen. Der Spruch des pápstlichen Gerichts fiel für Polen günstig aus. Es ordnete die sofortige und vollstándige Rückgabe aller von den Deutschordensrittern geraubten Gebiete an König Kasimir den GroBen an, d.h. Pommerellen, Kujawien und das Dobriner Land. Die Ordensritter gaben selbstverstándlich nichts freiwillig heraus, doch wie Historiker dieser Epoche meinen, war das Urteil im Warschauer ProzeB ein groBer moralischer Sieg für die Polen. Zum Glück erzielten sie im Nachspiel des Gerichtsstreits, das 1410 auf den Feldern der masurischen Dörfer St^bark und Grunwald (Tannenberg) entschieden wurde, nicht nur einen moralischen Sieg. In den ProzeBakten habén sich viele wertvolle Dokumente erhalten. Für den Varsavianisten ist selbstredend jene Empfehlung am wichtigsten, die die pápstlichen Gesandten der Stadt ausstellten. Ihr entnehmen. wir, daB das damalige Warschau bereits von einer Wehrmauer umgeben war; daB sich dort eine herzogliche Residenz und drei Kirchen befanden, ferner alles zum Leben Nötige in reicher Füllé vorhanden war: Quartiere, Wirtsháuser etc." und schlieBlich daB der Zugang zur Stadt sicher und leicht" war. Insgesamt eine sehr prázise und der Stadt gewogene Beurteilung, vielleicht an mancher Stelle sogar allzu prázise, denn man denkt bei der Lektiire doch leicht beunruhigt an die Grenzen der Geduld und den Sinn für Humor Seiner Heiligkeit Benedikt XII., als er erfuhr, daB es in Warschau ebenfalls eine Pfarrschule gibt". Doch Gott vergelte es euch, fromme Váter, daB ihr in eurem Bericht dieses Detail nicht vergaBt! Noch nach Jahrhunderten kann man daran ganz objektív die kulturelle Distanz zwischen dem hauptstádtischen Krakau ermesseri, das gerade eine Universitát (die zweite in Európa, 1364) zu eröffnen gedachte, und Warschau, wo man das Bestehen einer Pfarrschule für

Termékadatok

Cím: Warschau [antikvár]
Szerző: Piotr Rafalski
Kiadó: Interpress
Kötés: Vászon
ISBN: 8322322496
Méret: 240 mm x 320 mm
Piotr Rafalski művei
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