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Meine Ufer sind arm,doch höret die leisere Welle, Führt der Strom sie vorbei,manches unsterbliche Lied.Schiller und Goethe, IlmBilder einer traditionsreichen Stadt stellt dieser Band vor. Bilder,die sich einprägen, die zum Nachdenken anregen. Bilder, die zum Bild der Stadt werden, einer kleinen Stadt, die große Maßstäbe gesetzt hat in der Geschichte der deutschen Kultur. Sie lassen spüren, wie diese Stadt geworden ist, obwohl sie nur festhalten, was heute sichtbar ist.Nicht statisch ist dieses Bild - falls Bilder überhaupt Entwicklung, historischen Ablauf deutlich machen können. Nicht im Musealen erstarrt ist diese Stätte selbst, die zum Be-griflf wurde in Jahrhunderte währender Geschichte. .den Völkern der Erde Symbol für ein edleres und humaneres Deutschland", sagte Otto Grotewohl 1949. Es waren Goethe und Schiller, Herder und Wieland, die diesen Ruf in ständiger Auseinandersetzung mit widrigen Verhältnissen begründeten. Und nachdem er erlangt war, haben die Besten der Nachfahren immer wieder um die Verwirklichung des Ideals gerungen. Unter ihnen Franz Liszt mit seinen in die Zukunft weisenden Vorstellungen, die vom Geist der achtundvierziger Revolution getragen waren, oder im 20. Jahrhundert die Männer des Bauhauses, von der Novemberrevolution inspiriert. Keiner kam über mutige Ansätze hinaus. Geblieben sind von allen, die an einer verständnislosen Umwelt, an kul-tur- und fortschrittsfeindlichen Verhältnissen scheiterten, Anregungen, die herüberreichen in unsere Tage, ihrer Verwirklichung unter heutigen, gänzlich neuen Bedingungen harren.So bot sich das Bild dieser Stadt recht verschiedenartig dar im Laufe ihrer Geschichte. Und recht verschiedenartig sind auch die Bezeichnungen, die namhafte Besucher und Beobachter für Weimar fanden. Sic reichen von der geistigen Hauptstadt Deutschlands", zu der Madame de Staël die Stadt Goethes und Schillers dereinst ernannte, über das wehleidige Pompeji des deutschen Geistes" Adolf Stahrs bis hin zur Stadt unsterblichen Ruhmes" von Thomas Mann. Für die Linken der Weimarer Republik war die Klassikerstadt die verspießerte gute Stube des deutschen Kleinbürgers" (Erich Knauf) oder das Kurio-sum eines Naturschutzparks der Geistigkeit" (Egon Erwin Kisch). Für den französischen Schriftsteller und Kämpfer der Résistance André Wurmser ist sie die Stadt der Dichter schlechthin, von der die Wallfahrt geht zur Asche der Märtyrer und zu den Spuren der Barbarei", und Anna Seghers konstatierte vor Schriftstellern aus mehr als fünfzig Ländern in Weimar nüchtern: . . .bester und schlechtester Ort deutscher Geschichte." Damit wird erinnert nicht nur an die heroische Illusion der bedeutendsten Bürger Weimars, ein Reich der Kunst und der Menschen zugleich zu begründen, sondern auch an den bestenfalls Papier gebliebenen Entwurf einer einheitlichen deutschen Republik im Geiste der Klassiker. Und damit ist erinnert an Buchenwald, das einbezogen sein muß, wenn man die ganze Wahrheit des Weimarbildes in sich aufnehmen will. Vor dieser ganzen Wahrheit, die enorme Spannungen in sich birgt, schreckt dieses Buch nicht zu-