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Weimar - ein Mythos? Die Photographie hat schon seit geraumer Zeit davon Abschied genommen, nur Garantieerklärungen für das Reale (Paul Virilio) auszustellen. Das photographische Bild ist vielfach zum Mittel für künstlerische Inszenierung und Inspiration geworden. Ute Klophaus inszeniert ihre Begegnung mit dem Mythos Weimar nicht; sie legt mit der ihr eigenen Inspiration und kritischen Sympathie photographisches Zeugnis einer Stadt ab. Das Objekt ihrer Betrachtung in Schwarzweiß ist das reale Weimar der Gegenwart, das auch immer das historische ist: die klassischen Stätten, die Winkel, Straßen und Höfe der Stadt samt ihren Blessuren, das KZ Buchenwald auf dem Ettersberg, wo Goethe und Eckermann vor etwa eineinhalb Jahrhunderten es sich noch gut sein ließen ... So suggestiv der Titel der Ausstellung Mythos Weimar auch klingen mag, so sichtbar wird durch die Bilder von Ute Klophaus, daß es einen solchen Mythos nicht wirklich gibt und nicht wirklich geben kann. Die Gefühlsimpulse, zu denen dieser Unschärfebegriff einlädt, können die Wirklichkeit Weimars und seiner Vergangenheit nicht verdecken. Denn der große Feind der Wahrheit ist oft nicht die Lüge - überlegt, erfunden und unehrlich -, sondern der Mythos - beständig, überzeugend und unrealistisch (John F. Kennedy). Die Bilder von Ute Klophaus widerspiegeln nichts Unreales, nur die Weimarer Wirklichkeit mit aller Tranditionsbeladenheit und die damit verbundene Fallhöhe von der Klassik in den Höllensturz eines anderen Jahrhunderts: Goethehaus und Krematorium, Fürstengruft und Blutstraße, Salve und Jedem das Seine.