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WEINHEIM Geschichte und Gegenwart Ein Pelz von Buchen und Kastanien auf sofakissengemächlichen Bergrücken, dann der plötzliche Abbruch des Gebirges zu einer von Norden nach Süden gerichteten Kante und zweihundert Meter tiefer die weite Ebene-das ist die Landschaft. Ein Gedränge von steilgiebligen Häusern, von Türmen und Straßen und Gassen im Schutz der Berge und dann, in der Ebene, die Fabriken und Wohnsiedlungen und Hochhauskomplexe und Autostraßen - das ist die Stadt. Sie gehört zum Odenwald wie zur Rheinebene, ist alte Stadt und neue Stadt, ist Wohnstadt und Industriestadt, ist winkelig und heimelig, aber auch nüchtern und geschäftig. Sie hat, wenn man sich ihr auf den Bundesstraßen von Mannheim oder Heidelberg her nähert, das Allerweltsgesicht aller modernen Städte - mit Gewerbezonen, Umgehungsstraßen, Einkaufszentren, Tankstellen. Sie zeigt ihr ganz eigenes Gesicht nur dem, der die großen Durchfahrten verläßt und in die Innenstadt vordringt, in die Straßen der bunten Geschäfte und der Handwerker, in die Gassen der Altstadt, auf den Marktplatz. Sie zeigt es am schönsten im Frühling, wenn ringsum die Blüten der Mandel- und Kirschbäume aufbrechen, oder an den warmen Sommerabenden, wenn der Mond über der Burgruine Windeck steht und der Duft des Jasmins und der Kastanien bis in die letzten Winkel der Höfe und Gassen zieht. Sie zeigt ihr Gesicht ganz bunt zu den großen Festen - beim Sommertagszug am Sonntag Laetare, zur Kerwe im August, beim Weihnachtsmarkt im Dezember, in den Tagen der Fastnacht. Zu der Stadt gehören die Menschen: die alten Woinemer-derb und verschmitzt, immer geneigt zu Witz und Spott, redegewandt und schnell im Urteil, aber auch warmherzig und