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SEIT EINER KLEINEN HALBEN STUNDE BIN ICH HIER und schreibe diese Zeilen angesichts des himmlischen Panoramas, das vor dem Lindenberg ausgebreitet liegt. Ich liebe diesen Ort so sehr, daB ich, ich will nicht sagen hier sterben, aber hier begraben sein möchte. Das Bild, die klare Luft, die Frische - alles erquickt mich wieder, und ich komme, um meinen altén Lepel zu zitieren, aus einem seligen Lungenturnen gar nicht heraus . . . Sein Grab in Wernigerode am Nordhang des Harzes habenwollen. Ein solcher Wunsch láBt natürlich aufhorchen, zumal kein Geringerer als Theodor Fontane mit solchen Sátzen den Ankunftsbrief an die daheimgebliebene Gattin einleitete. Den dritten Sommer kam er schon nach Wernigerode. Der weitgereiste Neuruppiner wuBte alsó sehr genau, wovon er redete. Er hatte die Mark und manch andere deutsche Landschaft durchwandert, er hatte Frankreich gesehen und in England lange gelebt, und es gibt überhaupt keinen Grund zu der Annahme, der Einundsechzigjáhrige habe der Ehefrau im fernen Berlin lediglich einen Bárén aufbinden wollen, als er in dieser Weise von Wernigerode zu schwármen begann. Neugierig geworden, mache auch ich mich auf und reise in die Stadt, deren Name landauf und landab und selbst weit hinter den Grenzen aus mancherlei Gründen in vieler Menschen Munde ist, um ein gutes Jahrhundert nach Fontane meine Entdeckungen zu machen. PLATZANGST BEFALLT MICH, als der Zug endlich hált und Wernigerode erreicht ist. Von Koffer-, von Rucksack-, von Taschentrágern bedrohlich eingekeilt, werde ich die Treppen zur Unterführung hinabgedrángt. Nurgut, denkeich, daBjetzt Sommer und niemand mit sperrigem Sportgerát beladen ist. Wie übel zugerichtet müBte man sonst aus diesem Tunnel aufsteigen und vor seine Wirtsleute hintreten. Ein an seinen mit Stádtebildern geschmückten Koffern schwer schleppender kleiner Herr verursacht einen Stau. Die hinter ihm Gehenden kommen aus dem Schritt, und ihre hochdeutschen und in sehr unterschiedlichen Dialekten vorgetragenen Flüche erhellen mir dabei die auBergewöhnliche Beliebtheit der Stadt als Ferienort und Touristenziel. S___r