Bővebb ismertető
DIESES BUCH beschaftigt sich mit der geistigen und künstlerischen Sendung der Stadt Wien innerhalb des Zeitraumes von ungefahr 1650 bis etwa 1850. Diese Beschrankung bedarf einer kurzen Begründung. Das geistige GeprageWiens wurde in der Zeit des Barocks und in der ersten Halfte des 19. Jahrhunderts endgiltig geformt. In dieser Zeitspanne, die auch für das übrige Abendland entscheidend war, und die in Wien mit dem ausgereiften Frühbarock um 1650 anhebt, um mit dem Bau der RingstraGe, dieser Via triumphalis, und dem Werden der modernen GroBstadt ihren AbschluB zu finden, entstanden die markantesten ÁuBerungen der Wiener Kultur, auf dem Gebiete der Architektur, der bildenden Künste und der Musik. Aus Gründen, die spater noch zu erörtern sein werden, war diese Kultur bis gegen 1800 vorwiegend eine höfische, dann jedoch wurde sie immer bürgerlicher und - erstaunhch genug - auch immer betont wienerischer. Denn nie war Wien liebenswerter als in der Zeit des Spátklassizismus und des Biedermeiers, in Zeiten, in denen zwar in Wien nach wie vor der Kaiser residierte, das bürgerliche Element jedoch im Gegensatz zum 17. und 18. Jahrhundert wieder einen starken kulturellen EinfluB erhielt. Ein derartiges Vorherrschen des bürgerlichen Elementes auf den Gebieten der Kultur, beginnend um 1800, wurde zwar durch die Revolution von 1848 unterbrochen, setzte sich dann aber nach 1852 wieder fort, denn der konstitutionell regierende Kaiser Franz Josef 1. kann nicht mehr verglichen werden mit den bei aller österreichischen Bonhomie doch autokratischen, die stadtischen Belange mehrmals hart niederhaltenden Habsburgern des 17. und 18. Jahrhunderts bis zu Maria Theresia. Erst unter ihrer segensreichen Regierung begann sich das Bild zu wandeln. ? Solange Wien bestand, wenigstens solange man seine Geschichte quellenmaBig belegt zurückzuverfolgen vermag, stets war die Stadt randvoll erfüllt von Musik. Es sangen und musizierten im 12. und 13. Jahrhundert das Volk und der babenbergische Hof; für den heutigen Beschauer ist bereits diese so ferne Zeit musikalisch verklart. Musik wurde zum Wiener Lebenselement. Dabei muBten es nicht immer hohe Musikformen sein, nein, tiefer wirkte das Volkslied, in echt deutsche Form gefaBt; ja sogar volkstümliche Gelegenheitskompositionen bis zum Bankelgesang waren damals schon unverauBerliche Bestandteile der bodenstandigen Wiener Musik. Im 15. Jahrhundert formte sich hohe Kunstmusik, das 16.Jahrhundert baute sie weiter aus, bald nach 1500 wurden musikalische Organisationen geschaffen, die heute noch bestehen. Entwicklungsgeschichtlich Bedeutendstes geschah dann erst in der Mitte des 17.Jahrhunderts, als unter höfischer Patronanz sowohl die heimische wie die auslandische Instrumentalmusik und besonders die aus Venedig und Mantua kommende Oper hier höchste und folgenschwerste Förderung erfuhren. Damals wurde das Fundament gelegt fürWiens vorklassische Musik vonj. J. Fux bis zum frühen Haydn und darüber hinaus auch schon für die Klassik vom spateren Haydn bis zum Tode Schuberts. Die Wiener Musikklassik verebbte nach Schuberts Tode auf langere Zeit, um dann nach 1870 mit Brahms, Bruckner und Hugó Wolf zu einer nicht minder genialen zweiten Wiener Musikklassik anzuschwellen.