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GESICHT UND CHARAKTER Der Zauber von Wien liegt in seinen Gegensátzen. Aus ihnen fügt sich das Bild der Stadt und ist alles entstanden, was das Wienerische ausmacht. Wien ist eine Donaustadt und eher noch, da die Berge tief in sie eindringen, eine Alpenstadt, ebensogut aber auch eine Stadt der Tiefebene, benachbart der unermeftlichen PuBta. Wien ist seiner Bestimmung nach Grenzstadt und Festung, erst des Römischen Imperiums, danach mit Frontwechsel des Römischen Reiches Deutscher Nation. Dann aber ist es Mittelpunkt der österreichischungarischen Monarchie, des gröíMen europáischen Reiches, das dies auch noch bis 1918 der Fláche nach auBer Ruftland blieb. Als Festung auf engstem Raum zusammengepreíM, schoben sich seit je in den schmalen Gassen der Innenstadt die Háuser fünf- und sechsgeschossig in die Höhe und mit ihren Kellem in drei Stockwerken in die Tiefe. Nichts ist naturferner zu denken, aber in die Vorstádte drángt sich die Natúr mit Wáldern, Hangén und Auen ein. Internationale Weltstadt ist Wien, doch nur in den inneren Bezirken, um die sich ein Kranz von DorfstraBen und Weinhauerháusern legt, in denen Bauerngeschlechter seit tausend Dahren festsitzen. Besonders aus diesen Gegensátzen des Stádter- und Bauernwesens ist Wien zu verstehen mit seinen Kaffeeháusern und Heurigenschánken ebensogut wie mit seiner Kunst: den Gesángen Walters von der Vogelweide und den Streichen des Pfaffen vom Kahlenberg, seinen Opern und dem Wunderhorn seiner Volkslieder; der Wiener Walzer ist nur die Vollendung des báuerlichen Lándlers. Fischer von Erlach, der die Baukunst aller Zeiten und Völker wissenschaftlich verarbeitet hat, bevor er seine genialen Werke schuf, ist doch so mit der Scholle verwurzelt, daB kein SchlöBchen im Umkreis von Wien vom Volksmund nicht auf ihn zurückgeführt würde. Maria Theresia, die letzte der weltbeherrschenden Habsburger, verwaltete ihr váterliches Érbe wie