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PROLOGSoll ich Dir von Wien erzählen? Das Land, das ich noch außerordentlich heiter sah. Berge in schönen Umrissen, die Donau in mannigfaltigen, kanalähnlichen Windungen, Weingärten und die Lese darin, grünschattige Waldungen das ist nun alles trübe von den Regentagen des Winters. Man geht nicht mehr in den Prater. Die eigentümliche Schönheit von Wien ist das Glacis rings um die eigentUche Stadt her, hinter w^elchem erst die Vorstädte anfangen, fast wie bei Leipzig; nur ist es hier größer und breiter und künstlicher: man ist da draußen fast wie auf dem Lande; die Basteien sind erhalten und geben die schönsten Waldspaziergänge. Täglich führt mich mein Weg mehrere Male vorüber. Ist die Bastei zu schmutzig, so geht er bei St. Stephan vorbei. Du hast ohne Zweifel manches Bild dieses großartigen Gebäudes gesehen. Im Anfang ging ich besonders im Mondschein dahin, setzte mich gegenüber auf einen Stein am Haus; der Mond grad darüber, blauer Himmel, dies edle Menschenwerk, Stille der Mitternacht ein freudiges Beschauen, welche Träume!Leopold von Ranke, November z8a7