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Annäherung
¦ "ede Weltstadt entfaltet sich in einem magischen Dreieck: zwischen Mythos, sogenannter Realität und Klischee. Diese stehen in andauernder Wechselwirkung und schaffen ein Spannungsfeld, in dem sich der Einheimische ebenso wie der Fremde bewegt. Die Perspektive des Betrachters bestimmt das Bild.
Wo Wandel und Veränderung zum Dauerzustand werden, sucht sich die Sehnsucht nach überschaubaren Orientierungen ihre Fixpunkte: Das Althergebrachte, das Bestehende, kurz: die Traditionen haben Konjunktur. Gerade auch Wien als geschichts-trächtige Stadt unterliegt diesem Bedürfnis, nicht zuletzt, indem es ein entsprechendes Image selbst pflegt.
«In Erfüllung einer Traditionspflicht verwechselte Wien Museumshaftigkeit mit Kultur und wurde zum Museum seiner selbst.» Geschrieben zwar in bezug auf die Agonie der Habsburger Monarchie, gelten diese Sätze von Hermann Broch auch heute noch; und zwar insofern, als man bislang hauptsächlich vom «letzten Glanz der Märchenstadt» - wie Otto Friedländer es ausdrückte - gezehrt hat. Es-sei allerdings nicht verschwiegen, daß kritische Stimmen selbst von so eingefleischten Alt-Österreichern wie einem Gregor von Rezzori kamen, der sich vom «Rauschgold der Nostalgie» distanzierte und für ein gegenwärtiges Wien plädierte: «Keine Zitate mehr! Selbst Robert Musils Analyse Kakaniens sagt nichts mehr über den Wiener von heute!»
Derlei müßte einem naiven Bildungstourismus ins Stammbuch geschrieben werden, wenn Wien nicht ohnehin, wie keine Stadt sonst auf der Welt, seinen eigenen Widerspruch mitproduzieren würde. Dieser Januskopf ist mittlerweile gleichsam zum Markenartikel hochstilisiert worden. Heute weiß man, daß der «geigende» und «grantige» Wiener eins sind, daß das «goldene Wienerherz» auch eine Mördergrube sein kann, daß der böse Slogan Georg Kreislers: «Wie schön wäre Wien ohne Wiener» den ganzen Masochismus und koketten Selbsthaß zum Ausdruck bringt. Sowohl Helmut Qualtingers Herr Karl als auch Thomas Bernhards Schimpftiraden haben die Welt erobert. Der Humor des «Wiener Schmäh» nährt sich aus der barocken Tradition von Todesseligkeit und Skurrilität. Das Zerschlagen von Illusionen ist schon längst Mode geworden; und es wäre ein Irrtum annehmen zu wollen, man könnte der Wirklichkeit einer Stadt gerecht werden, ohne die Klischees zu berücksichtigen - gerade hier sind Schein und Sein bis zur Unkenntlichkeit miteinander verflochten.
Es ist fast anzunehmen, daß sich neben den schönen «baren Tatsachen» wie Jugendstil, Sezession, Psychoanalyse oder Wiener Werkstätte gerade der Reiz des Doppelbödigen im Ausland herumgesprochen hat und die Reisenden anlockt. Das Image der