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VORWORT ZUR ZWEITEN AUFLAGE Schwerer noch, als es fonft dem Autor zu fein pflegt, einem Erzeugnís feines Geiftes nach Jahren eigener Vercinderung und Entwicklung die nötige neue Form zu geben, ift mir heute die Aufgabe, diefem Buch über Wien ein neues Geleitwort zu fdireiben. Die viereinhalb Jahre feit feinem erften Erfdieinen - im Herbft 1918 - enthalten die Gefchichte des Martyriums diefer Stadt; eines Zufammenbruchs ohnegleidien, der die Kritik veranlafite, diefes Budi als den Nekrolog Wiens zu bezeídinen. Soll feine zweite Auflage eine Stimme aus dem Jenfeits fein, ein Wien fchildern, das unwiederbringlich dahin iít, oder foll das ganze Bild revidiert, den fdiarferen Zügen Rechnung getragen werden, die die Not ins Antiit} der Stadt zu graben beginnt? Idi habe midi nicht entfdiliefien können, an dem Budié - von unbedeutenden Richtigftellungen und Verbefíerungen abgefehen - Wefentlidies zu andern. Nadi wie vor fdieint mir die Gegenwart die Antwort auf die Fragen zu fein, die die Vergangenheit ftellt, fdieint mir aber auch die Vergangenheit die Rátfel zu löfen, die die Gegenwart aufgibt. Was Wien in Wahrheit ift, erfahren wir aus feiner Gefchichte. Als Sitj eines Fürftenhaufes und als Hauptftadt eines fehr verfdiiedenartige Völker zufammenfaífenden Reidies ift es grofí geworden; heute ift es der Hauptort eines lockeren republikanifdien Staatenbundes, eines lebensunfáhigen Wirtfchaflsgebildes, das es nicht zu erhalten vermag. Die Krife,