Bővebb ismertető
1JL In der Politik des osmani-schen Reiches spielte Wien eine besondere Rolle. Die Stadt war für die Hohe Pforte nicht nur eine abstrakte Größe, nicht nur Sitz des Römischen Kaisers, nicht nur Zentrum einer Macht, die in Ungarn, auf dem Balkan, aber auch in bezug auf Venedig als Rivale erschien. Die Stadt war - wir wissen es aus den Aufzeichnungen türkischer Reisender - eine Verlockung, ihr Besitz versprach nicht nur Macht, sondern auch die Erfüllung eines Traumes. Byzanz war längst erobert. In der Bilderwelt der Sehnsucht hatte nun Wien jenen Glanz, den einst Byzanz gehabt hatte.7^ Unter den Beweggründen des politischen Handelns ist Sehnsucht nicht der letzte. Sie erfüllt maßgebende Gesellschaftsschichten, gibt den Herrschenden einen zusätzlichen Impuls.Dieser Impuls, dieses Vergnügen an einem Traumbild, wird in der Öffentlichkeit nur selten formuliert. Da man die Kraft der gesamten Gemeinschaft mobilisieren muß, gibt man der Sehnsucht einen Anschein von Vernunft. Dies zu tun ist leicht, denn der erstrebte Besitz verspricht in der Tat militärischen und ökonomischen Nutzen.In einer weiteren Wendung wird dieser erhoffte und versprochene Nutzen mythisiert. Ein patriotisches Ritual entsteht. Man erobert keine Länder, sondern dient einer Idee.Sehnsucht ist menschlich. Wir sehnen uns nach Personen oder Ländern, die anders, aber doch nicht völlig fremd sind. Das Ziel der Sehnsucht vereint Fremdheit mit Vertrautheit. Das gänzlich Vertraute erweckt keine Sehnsucht; das völlig Fremde befindet sich außerhalb der Bewußtheit. Undenkbares kann nicht ersehnt werden.5