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Aufgesang
Nach einem munteren Abend beim Höllerl an der Straße nach Sievering - alle Geräte der niederen Stube hinter dem Hause aus ehrlichem Holz, und ebenso redlich ist der Wein, werm ich auch beim Spezial bleibe und mich nicht an den Heurigen wage nach solchen bewegten Stunden, die Weinhebers schwerblütige Freude mit ein paar Klängen streifte, weht der Wind eisig von der Ebene her, auf der sich die Völker, Kelten, Römer, Markomarmen, Goten, Langobarden, Awaren, Hunnen, Kreuzheere, Mongolen, Polen, Türken, und die Massenheere imserer Tage ausgestritten haben. Steile, zerfetzte Wolkengebilde jagen über den Mond, treiben dicht an der Erde hinaus. Nachts tragen die um den Aspernplatz kreisenden Wagen Mäntel aus Schnee; die Fenster beben. Wien ist von Anfang mit dem Winde vertraut. Er liebt seine Türme; er bricht sie nicht.
Reinhold Schneider
Die wundervolle, imerschöpflich zauberhafte Stadt mit dieser rätselhaften, weichen, lichtdurchsogenen Luft! Und unterm traumhaft hellen Frühlingshimmel diese schwarzgrauen Barockpaläste mit eisernen Gittertoren und geschnörkelten Moucharabys, mit Wappenlöwen und Windhunden, großen, grauen steinernen! Diese alten Höfe, angefüllt mit Plätschern von kühlen Brunnen, mit Sormen-flecken, Efeu und Amoretten! Und in der Vorstadt, diese kleinen, gelben Häuser aus der Kaiser-Franz-Zeit, mit staubigen Vorgarterb, diese melancholischen, spießbürgerlichen, unheimlich kleinen Häuser! Und in der Abenddämmerung diese faszinierenden Winkel und Sackgassen, in denen die vorübergehenden Menschen plötzlich ihr Körperliches, ihr Gemeines verlieren und wo von einem Stück roten Tuchs, vor ein schmutziges Fenster gehängt, unsäglicher Zauber ausgeht! Und dann, später abends, die Dämmerung der Wienufer: Über der schwarzen Leere des Flußbettes das schwarze Gewirre der Büsche und Bäume, von zahllosen kleinen Laternen durchsetzt, auf einen wesenlosen transparenten Fond graugelben Dimstes aufgespannt und darüber, beherrschend, die drei dunklen harmonischen Kuppeln der Karlskirche! Hugo von Hofmannsthal