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Wiener Bilder [antikvár]

Kurt Eigl

 
Was in einer historisch bedeutsamen und großen Stadt aus Jahrhunderten an Bauten und Straßen,Plastiken und Gärten noch vorhanden ist und was die Gegenwart täglich hinzufügt, ist mannigfaltigineinander geschoben; das macht einen wesentlichen Teil ihres Zaubers aus. Darum hält sich derSpaziergang, zu dem dieses Buch in Wort und Bild einlädt, auch an keine Chronologie der Bau- undLebensstile, sondern bietet das Alte und das Neue völlig zwanglos dar, wie es auf den zukommt, derdie Stadt nach Laune durchwandert, um nach und nach ihre...
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Was in einer historisch bedeutsamen und großen Stadt aus Jahrhunderten an Bauten und Straßen,Plastiken und Gärten noch vorhanden ist und was die Gegenwart täglich hinzufügt, ist mannigfaltigineinander geschoben; das macht einen wesentlichen Teil ihres Zaubers aus. Darum hält sich derSpaziergang, zu dem dieses Buch in Wort und Bild einlädt, auch an keine Chronologie der Bau- undLebensstile, sondern bietet das Alte und das Neue völlig zwanglos dar, wie es auf den zukommt, derdie Stadt nach Laune durchwandert, um nach und nach ihre Schönheiten und Eigentümlichkeiten insich aufzunehmen. Wo es sich ergeben hat, ist dem Heute das Gestern durch reizvolle Dokumentar-fotos gegenübergestellt, von denen einige mehr als hundert Jahre alt sind.In den großen Bestand an Barockem, der Wien seinen charakteristischen Akkord verleiht, ist das wenigeGotische eingebettet, das sich zu bewahren vermochte: der Stephansdom, Maria am Gestade, Teile derHofburg, die Minoritenkirche. Dann ein paar Relikte aus der Zeit der Renaissance: die Stallburg, dasSchweizertor der Hofburg, die Salvatorkapelle, ein paar versteckte, weil unscheinbare Wohnhäusermit kostbaren Höfen. Wer freilich ganz weit zurückwandern möchte, in die Zeit der Römer, muß sichin ein Museum bemühen oder mit ein paar grundrißhaften Spuren in der Anlage der Innenstadt vorlieb-nehmen; von diesem fernsten Wien blieb kein Stein auf dem anderen. Umso reicher, festlicher und voll-kommener wendet das Barock dem Beschauer sein Antlitz zu. Namen wie Fischer von Erlach, Lukasvon Hildebrandt oder Nikolaus Pacassi werden durch Karlskirche, Belvedere, Josefsplatz, Schönbrunnrasch zu einem sehr persönlichen Begriff: sie waren nicht nur überragende Baukünstler, sondern alssolche zugleich raffinierte Meister eines Illusionismus, der das lastende klassische Barock Italiens inschwerelos schwebende Silhouetten zu verwandeln wußte, unter anderem schon durch den Umstand,daß diese Baumeister die Hauptfronten ihrer wesentlichen Architekturen allesamt nach Norden schauenließen, in den Schatten : Karlskirche, Belvedere, Schönbrunn.Aus dieser so lebenszugewandten Zeit stammte auch die bis ins Biedermeier und darüber hinaus fort-lebende Gepflogenheit, die Fenster um ein paar Zoll vor der Fassadenfläche anzubringen, nach außengerückt wovon die alten und ältesten Gassen Wiens trotz ihrer dämmrigen Enge und auch noch beiärgstem Regenwetter stets ein blitzfreundliches Aussehen haben, weil der Himmel sich in den ihm hin-gehaltenen Scheiben spiegelt. Die Gründerzeit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, im adeligenBereich wie im tonangebenden Großbürgertum imperial, machtbewußt und distanziert, versetztedie Fensterscheiben ihrer Wohn- und Zinsburgen tief in die überladen dekorierten Leibungen, was ihnenein dunkles, unnahbares Aussehen verlieh. Ein beiläufig scheinendes Detail, doch kann es den auf-merksamen Betrachter bei seinem Bummel über die Ringstraße und durch die bescheideneren schmalenGassen der Altstadt auf interessante Art bereichern.Wie das Wiener Barock seine südländischen Vorbilder gemildert hat, so verfuhr auch der Jugendstildes Fin de siecle, die Secession, mit der in romanischen Ländern, Frankreich, Spanien, sich zum Wortund zur Herrschaft meldenden Moderne von damals, die revolutionär sein gerne mit Übertreibungverwechselte. Auf Wiener Boden hingegen schufen Besonnenheit und Geschmack neue Bauformen mitneuen Ornamenten, streng, aber zugleich liebenswürdig, und wiederum illusionistisch. Heute, nachzwei Weltkriegen, erfahren sie ihre Rechtfertigung und Würdigung, wie auch der einst so verachteteHistorismus der großen Ringstraßenbaumeister. Über den Feind jedes Ornaments, Adolf Loos, istschließlich auch Wien auf die Linie eines zeitgemäßen, rein funktionalen Bauens eingeschwenkt, dasseine eigene Ästhetik schuf.Jede Großstadt wird eines Tages zum Architekturmuseum, und auch Wien ist unter dem Druck seinerGeschichte, der Wandlungen seines gesellschaftlichen Gefüges, ein solches geworden. Quer durch seinStilgemisch führen die Bilder und ihr Text von der Innenstadt in einige Außenbezirke und schließlichbis in jene immer noch anheimelnden alten Orte, die mit den Wienerwaldbergen der Stadt ihren kost-baren Rahmen geben. Zu zeigen, daß hier, wie in jeder anderen Stadt mit großer Vergangenheit und selbst-bewußter Gegenwart, das Museale von sehr viel Leben erfüllt und umgeben ist, war das stille Ziel diesesBuches, und: daß auch der Fremde alles, was ihm hier entgegenblickt, als etwas ganz Selbstverständlichesempfindet.

Termékadatok

Cím: Wiener Bilder [antikvár]
Szerző: Kurt Eigl
Kiadó: Forum Verlag
Kötés: Vászon
Méret: 260 mm x 280 mm
Kurt Eigl művei
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