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FEDORA UND IHRE SCHWESTERNZur nationalen und kulturellen Identität einer OpernheldinALEXEJ PARINAnna Karamazoff" - diesen anspielungsreichen Titel trägt ein Film aus Moskau, der vor ein paarJahren nicht ohne Erfolg beim Festival in Cannes präsentiert wurde. Die Heldin mit dem Vornamen der leidenschaftssüchtigen Anna Karenina aus dem Roman Leo Tolstojs und dem Familiennamen nach dem unzertrennbar-quälerischen Vater-und-Söhne-Knoten aus dem Roman Fedor Dostoevskijs, kehrte aus dem Stalinschen Gefängnis zurück, suchte nach dem Schuldigen ihres Unglücks und tötete ihn endlich in einem wütenden Racheausbruch. Die von der unvergleichlichen Jeanne Moreau dargestellte tragisch-verzweifelte, aber ihre Eleganz so gut wie niemals verlierende Anna wanderte nach dem Wunsch ihres Schöpfers Rustam Hamdamov wie im Rausch zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Alptraum und Realität, zwischen zitatüberfüllter ästhetisierter Fiktio nalität und wirklichkeitstreuer furchterregender Echtheit. Die Heldin Colauttis und Giordanos, Prinzessin Fedora Roma-zoff, ist mit diesem von Leidenschaften zerrissenen postmodernen Geschöpf blutsverwandt. Ihr Vorname ist in weiblicher Form in Rußland gar nicht gebräuchlich. Spiegelt er den Vornamen des großen Dostoevskij wider oder eine Vorahnung des großen Schaljapin, der gerade in der Zeit der Fedora-Uraufführung seine ersten Triumphe feierte? Und ihr Nachname mit der schicken Endung a la française? - Ist er nicht einfach ein Luxus-Cocktail aus dem Namensklang der letzten russischen Zarendynastie Romanov und der verhängnisvollen Familie Karamazov aus Dostoevskijs genialem Roman?Und wer ist sie selbst, Fedora Romazoff, die russische Prinzessin aus dem mythischen Sankt Petersburg? Zuerst geschaffen im Wort vom französischen Weltmeister der Piece bien faite namens Victorien Sardou, in Paris kreiert von Sarah Bernhardt, einer Königin der ziselierten Nuance, später aus dem Schaum der Musik entstanden mit Hilfe des jungen italienischen Triumphators Umberto Giordano und modelliert von der leidenschaftlichen Gemma Bellincioni, die man die Duse der veristischen Oper nannte. Wer ist Fedora Romazoff? Eine mythische russische