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Das Lutherhaus in Wittenbergvon Roland WernerEs war Wittenberg bis doher ein arm unansehnlich Stadt; kleine, alte, häßliche, niedrige, hölzerne Häuslein: einem alten Dorf ähnlicher, denn einer Stadt. Aber um diese Zeit kamen aus aller Welt Leut hin, die do hören, sehen und etlich studieren wollen. So schildert Friedrich Myconius als Zeitgenosse das Wittenberg des beginnenden 16. Jahrhunderts. Und Martin Luther schreibt in einem Brief 1531: Es gehet mit dem bawen alßo zu, Das yhr euch wundern mochtet wen yhrs sehet." Eine Anordnung vom Jahre 1504 hatte befohlen: Wer wüste Stätte und Erbe hat, der soll bauen binnen Jahr und Tag.Der geradezu schlagartige Aufschwung des wenig bedeutenden Elbestädtchens, das nach dem Aussterben der hier ansässig gewesenen askanischen Kurfürsten 1422 sich lediglich noch als nominelle Kurstadt mit dem Vorsitz im Städtekollegium auf den kursächsischen Landtagen auszeichnete, war durch die Erhebung zur Residenz unter dem Wettiner Friedrich III., dem Weisen, 1486 veranlaßt worden, ein Jahr nach der folgenreichen Leipziger Erbteilung des wettinischen Landbesitzes. Nachdem der Fährbetrieb auf der Elbe von einer 1487 bis 1490 errichteten Holzbrücke abgelöst worden war, folgte seit 1489 der Abbruch der alten Askanierburg am Westende der Stadt und der Neubau eines der stattlichsten mitteldeutschen Residenzschlösser der damaligen Zeit, mit einer Stiftskirche, die als bedeutende Wallfahrtsstätte zu den künstlerisch besonders reich ausgestatteten Kirchen zählte. Im Zuge des systematischen Ausbaus Wittenbergs zur wettinisch-ernestinischen Residenzstadt begründete der Kurfürst schließlich im Jahre 1502 hier auch eine eigene Landesuniversität, da die einzige sächsische im