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VorwortVor etwa sechzig Jahren stand auf dem Uetliberg KönigChulalongkorn von Siam-und schauteauf die Stadt Zürich hinunter. Es war das erste Mal, daß er sein eigenes Land verlassen hatteund nach Europa gekommen war, um möglichst viel zu sehen, zu lernen und zum Nutzenseines Landes zu verwerten. Von der Schweiz war er sehr beeindruckt, alle Siamesen, die her-nach nach Europa gesandt wurden, mußten einen Abstecher in unser Land machen. Vielekönigliche Prinzen besuchten uns seither; und daß der jetzige König Bhumibol Aduldej in derSchweiz aufgewachsen ist, daß seine erste Tochter auch hier zur Welt kam, dürfte auf die großeSympathie zurückzuführen sein, die schon König Chulalongkorn für unser Land hegte.Diese Sympathie ist nicht einseitig; wenn Schweizer auch nur für kurze Zeit nach Siam kom-men, so sind sie von Siam begeistert. Abgesehen von der Tropenlandschaft, von den form-schönen Tempeln in den Städten, von dem Schiffsverkehr auf den Flüssen und Kanälen, es sinddie Siamesen selbst, die sehr schnell den Weg zu unseren Herzen finden. Ihr sonniges Wesen,ihre zuvorkommende Haltung Fremden gegenüber, das Zurückhalten der eigenen Person, allediese Charaktereigenschaften lassen den Rassenunterschied vergessen und ebnen den Weg zurVerehrung und zur Freundschaft.Leider ist der Weg nach Siam eine kleine Weltreise und daher nur wenigen vergönnt, diesesWunderland mit eigenen Augen kennenzulernen. Um so mehr freut es mich, daß diese herr-lichen Farbenbilder uns den östlichen Zauber miterleben lassen. Michael Wolgensinger, derMeisterphotograph, hat auf seiner Asienreise diese Aufnahmen gemacht, aus reiner Freudeam Schönen. Im Text spiegeln sich Erinnerungen an meine große Studienreise, die michnach Siam führte. Die Liebe zur asiatischen Kunst und die Freundschaft mit Siamesen sind mirals schönstes Geschenk geblieben. Mit offenen Augen war ich nach Bangkok gekommen undhatte als Bildhauer einen fruchtbaren Boden gefunden. Es häuften sich die Aufträge, es öff-neten sich die Türen, und ich wurde auch bei der königlichen Familie gerne als Gast gesehen.In Siam verbrachte ich fünf Jahre, lernte Land und Leute kennen, machte Reisen nach altenKunststädten und besuchte ebenso Kunsthandwerker, von denen ich vieles lernen konnte. Uber-all im ganzen Lande wird der Fremde mit einer Zuvorkommenheit empfangen, die einzigartigist. Der ruhige, ausgeglichene Charakter der Siamesen dürfte auf die Landesreligion, den Bud-